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Geschichtlicher Überblick
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lieh, genau wie später Smith und Ricardo, die Unzu
keit dieses Prinzips, trotz seiner formalen Folgerichtig
seiner Jugend hatte Quesnay die traurige Lage der ländlichöTr* 1
Bevölkerung Frankreichs kennen gelernt, und er sann auf Mittel
und Wege zur Abhilfe. So kam er dazu, aus den vorhandenen
Bausteinen ein System der Wirtschaftslehre zu konstruieren,
^ dessen praktische Verwirklichung der Not der Landwirtschaft
ein Ende machen sollte. Als der schöne Bau fertig war, schien
es ihm, daß es immer noch Bedürfnisse gebe, denen er
nicht gewachsen sei. Und es verschlug ihm nichts, das tadel
los in sich abgeschlossene Gebäude mit Ansätzen zu versehen,
welche auf dessen Fundament keinen Platz finden konnten.
Weil es die Interessen der Landwirtschaft verlangten, hatte er
die Beseitigung der überkommenen Schranken und die Freiheit
des Wirtschaftslebens verlangt. Wo diese Freiheit jenen Interessen
schädlich zu werden schien, da galt auf einmal die absolute Frei
heit des laisser faire, laisser passer nichts mehr, und es wurde
an die Reglementierung durch die Staatsgewalt appelliert 1 ).
Ideengeschichtlich ist ferner von Interesse, daß die Physio-
kraten ursprünglich den Freihandelsgedanken keineswegs in den
Vordergrund rückten. Dem Handel überhaupt waren sie nicht
günstig gesinnt. Sie sehen darin eine einfache Übertragung
eines bereits vorhandenen Reichtums von einer Hand in die
andere. Der Gewinn, welchen die handeltreibende Klasse er
zielt, geschieht auf Kosten der Nation. Den Außenhandel
speziell bezeichnet Mercier de la Rivière als ein notwendiges
Übel 2 ). Quesnay sieht in demselben einen „Lückenbüßer
1) Die Handelsfreiheit z. B. wurde verlangt vor allem für den Handel in
Bodenprodukten im Innern und die Ausfuhr von Getreide. Sollte aber der
Getreidepreis über eine vom Gesetze zu bestimmende Grenze steigen, so sei nach
dem Muster Englands die Getreideausfuhr zu verbieten. Desgleichen bezüglich
des Zinsfußes. Damit nicht der verderbliche Zustand eintrete, daß der Zinsfuß
dauernd den Beinertragsfuß des Bodens übersteige, müsse das positive Gesetz
denselben in zehnjährigen Perioden bestimmen. Auch soll der Staat durch Rege
lung des Heiratsalters und durch Förderung der Kolonisation in dünn besiedelten
Gebieten auf Beschränkung der Volks Vermehrung hinwirken, damit nicht durch
übermäßiges Anwachsen der Bevölkerung die durch das Unterhaltsbedürfnis ge
gebene Grenze überschritten werde. Vgl. Lexis, Art. Physiokratisches System
in Elsters Wörterbuch der Volkswirtschaft.
2 ) Mercier de la Rivière, L’Ordre naturel et essentiel des sociétés politiques.
2 Bde. 1767. Bd. II. cap. 37, p. 277.