Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

328  Die  katholischen  und  verwandten  Schulen  in  der  Gegenwart

bildung  desselben  im  Sinne  des  Evangeliums  ;  2.  Neuordnung
aller  gesellschaftlichen  Verhältnisse  auf  berufsständischer  Basis
in  gleicher  Berücksichtigung  aller  Klassen;  3.  internationale
Arbeiterschutzgesetzgebung  und  Vereinigung  aller  sozial  Gesinnten ­
  in  den  verschiedenen  Ländern  zwecks  friedlicher  Wandlung ­
  unserer  Gesellschaftsordnung.“
Zur  Eigentumsh&geübergehend,  fährt  Naudet  fort  :  „Unsere
Ansicht  von  Rechten  und  Pflichten  des  Eigentums  geht  im
letzten  Grunde  auf  die  Grundprinzipien  unserer  Religion  zurück,
wie  sie  sich  schon  in  den  zehn  Geboten,  in  vollerer  Form  aber
in  den  Urzeiten  des  Neuen  Testaments  bei  den  Kirchenvätern
finden.  Moderne  Forschungen  können  keinen  Zweifel  darüber
lassen,  daß  die  ersten  Christen  auf  kommunistischem  Boden  standen
und  in  Sachen  der  Eigentumsverteilung  streng  egalitäre,  demokratische ­
  Prinzipien  vertraten.  Aber  eine  historische  Kontinuität
dieser  Ideen  durch  die  Zeiten  des  Mittelalters  hindurch  läßt
sich  kaum  nachweisen,  und  so  muß  der  christliche  Sozialismus,
wie  er  sich  im  XIX.  Jahrhundert  entwickelte,  als  ein  Kind
seiner  Zeit,  als  eine  Anwendung  christlicher  Prinzipien  auf
die  neuen  Fragen  einer  neuen  Geschichtsepoche  aufgefaßt
werden.“  .  .  .
„Der  Ausgang  unserer  Kritik  der  heutigen  Sozialordnung
ist  die  Erkenntnis  ihrer  Ungerechtigkeit.  Vom  Standpunkte  jener
Gleichheit  aller,  wie  sie  ein  Grundprinzip  des  Christentums
bildet,  verurteilen  wir  die  Ungerechtigkeit  der  Gesetze,  die  gegen
den  Armen,  der  aus  Hunger  ein  Stück  Brot  stiehlt,  so  überaus
hart,  und  gegen  den  Finanzier,  der  auf  zugrunde  gerichteten
Existenzen  anderer  seine  eigene  aufbaut,  so  überaus  mild  sind.
Wir  verurteilen  die  Ungerechtigkeit  der  Sitten,  die  sich  vor  den
Götzen  des  Reichtums  neigen,  ohne  seinem  Ursprung  nachzuforschen ­
  ;  wir  verurteilen  die  Ungerechtigkeit  des  heutigen  sozialen ­
  Lebens,  in  dem  so  viele  trotz  aller  Anstrengung  nicht  den
baren  Lebensunterhalt  gewinnen  können.  Wir  glauben  nicht,
daß  das  Heilmittel  früherer  Jahrhunderte,  die  private  Mildtätigkeit, ­
  geeignet  ist,  alle  diese  Übel  zu  heilen;  Gerechtigkeit
muß  vorerst  geschaffen  werden  ;  dann  erst,  wenn  ihr  Werk  getan,
wenn  jedem  das  Seine  geworden,  mag  mildtätige  Unterstützung
ein  Übriges  tun.  Niemand  sei  gezwungen,  aus  ihren  Händen
gebeugten  Hauptes  zu  empfangen,  was  er  aufrechten  Sinnes  als
            
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