Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die christlichen Sozialisten 
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ihm gehörig betrachten muß Die Beseitigung des großen 
Massenphänomens des Elends kann nur von einer Änderung 
unserer ganzen sozialen Ordnung erwartet werden.“ 
„Eine dreifache Ungerechtigkeit ist die Basis selbst der 
gegenwärtigen Ordnung : Verletzung des natürlichen Rechtes, weil 
inmitten unserer christlichen Zivilisation viele Menschen nicht 
ihren physischen Lebensunterhalt gewinnen können; V erletzung 
des historischen Rechts, weil ihnen der Wohlstand ihrer Väter 
entzogen ist; Verletzung des christlichen Rechts, weil das soziale 
Elend seine Rückwirkung auf die Moralprobleme ausübt und 
befriedigende Entwicklung des seelischen Lebens verhindert. 
Der christliche Sozialismus kann die Absolutheit des Eigentums 
im Sinne des römischen Rechtes nicht als vereinbar mit den 
Prinzipien des Christentums anerkennen. Schon der hl. Thomas 
von Aquin sagte : für uns kann jeder Eigentümer nur als eine 
Art Verwalter des ihm anvertrauten Objektes gelten, und er ist 
verpflichtet, dasselbe im Interesse der Gesamtheit zu verwalten, 
im Namen und Aufträge des einzigen wahren Eigentümers, 
Gottes selbst.“ Folgt eine Darlegung der Eigentumslehre, wie 
wir sie bereits bei de la Tour du Pin kennen gelernt haben. 
Dann kommt Naudet zu der spezifischen, evolutionistischen 
Auffassung der katholischen Sozialisten: „Die Kirche selbst hat 
keine im einzelnen festgelegte Theorie des Eigentums über die 
obgenannten sozialen Verpflichtungen hinaus. Sie hat ehedem 
das Feudalsystem akzeptiert, sie fügt sich heute dem Kapitalis 
mus, sie wird nach unserer Ansicht später auch andere Formen 
des Eigentums sanktionieren : für uns christliche Sozialisten ist 
das Eigentum nur eine historische Kategorie, keineswegs unantastbar 
und zweifellos vor wichtigen Entwicklungen und Wandlungen 
stehend. Wir glauben, daß die Entwicklung konstitutioneller 
Einrichtungen in der Industrie, die Ausbreitung der Produktiv 
genossenschaften, die wachsende Anteilnahme der Arbeiter am 
Besitze der Produktionsmittel ganz neue Formen des Eigentums 
herbeiführen werden.“ 
„Wir glauben auch nicht, daß die gegenwärtige Form der 
Lohnarbeit für immer bestehen wird. Aus der Sklaverei von 
ehedem ist die Hörigkeit geworden und aus dieser das heutige 
System der kapitalistischen Lohnarbeit; werden neue Formen 
der Arbeit nachfolgen? Die Kirche als solche hat keine eigent-
	        
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