16 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle.
Aber auch die Geselligkeit, insbesondere der gesellige Verkehr in kleinen
vertrauteren Kreisen, war ihm eine Quelle holder Freuden. Und er war der beste
Gesellschafter, der sich denken läßt: immer das anregende Element, sinnige Spiele,
fröhliche Gesänge leitend, immer bereit zu geistvoller Unterhaltung, schalkhaft, witz
sprudelnd, ausgelassen fröhlich, — immer anmutig.
Daß Arnoldi erfüllt war von der glühendsten Vaterlandsliebe, zeigen
seine Taten und viele seiner tiefst empfundenen Worte. Mehr und deutlicher ver
künden die ersteren die Eigenart dieser seiner Empfindung. Denn er gehörte zu
denen, welche die Vaterlandsliebe auffassen als eine ernste Mahnung zur Pflicht, zur
Widmung der besten Kräfte, zu hingebender dienender Treue.
Und in diesem Sinne hat er sich denn auch um fein Vaterland verdient gemacht
und sich seinen Platz errungen unter den besten und gefeiertesten seiner Söhne. Und
so leuchtet auch sein Stern hossenüich noch lange zurück in deutsche Lande.
8. Friedrich List, Deutschlands größter Volkswirt.
Von Karl Theodor v. Eheberg.
v. Cheberg, Friedrich List. Festrede zur Enthüllung des Denkmals in Kufstein am
8. September 1906. In: Beilage zur Allgemeinen Zeitung. München, den 9. September 1906,
Nr. 209, S. 474-476.
Selten mag einem Sterblichen ein solcher Drang, sich zu bilden und vorwärts zu
streben, ein solcher Trieb zu uneigennützigem öffentlichen Handeln, eine solche rastlose
Selbstbetätigung, eine solche stets sich erneuernde Spannkraft des Geistes zu eigen
gewesen sein wie Friedrich List.
Schon sein äußerer Lebensgang gibt dafür den Beweis. In jungen Jahren
vertauscht er die Werkstätte seines Vaters mit der Schreiberstube. Die freien Stunden
benutzt er, um durch den Besuch von Vorlesungen an der Universität Tübingen und
durch Lektüre reine lückenhafte Bildung zu vervollkommnen. Der Reformminister
Wangenheim fand an ihm einen treuen Helfer. Schon im Jahre 1816 veröffentlichte
er einen Aufsatz über das „System der Gemeindewirtschaft".
Im Jahre 1817 übertrug ihm Wangenheim die neue Lehrkanzel für Staats
praxis an der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen. Aber der
enge Hörsaal genügt seinem Tätigkeitsdrang nicht. Schon damals ergreift ihn das
unwiderstehliche Verlangen, feine Ideen ins Weite und Große wirken zu lassen. Aus
diesem Verlangen gründet er mit gleichgesinnten Freunden den „Volksfreund aus
Schwaben", ein Vaterlandsblatt für Sitte, Freiheit und Recht, in dem er für wahre
Volksvertretung, öffentliche Kontrolle der Staatsverwaltung, Selbstverwaltung der
Gemeinden, Preßfreiheit und Geschworenengerichte eintrat. Demselben Verlangen
entspringt die von ihm im Jahre 1819 betätigte Gründung eines Handelsvereins, für
den er eine Petition um Aufhebung der Binnenzölle und Errichtung einer alle deut
schen Staaten umfassenden Zollgrenze entwarf, und dessen Forderungen er später an
den süddeutschen Höfen, in Berlin und am Wiener Hofe vertrat. Aber diese Tätigkeit
war so wenig im Sinne der württembergischen Regierung, daß List sich genötigt sah,
seine Professur niederzulegen.
Durch das Vertrauen seiner Reutlinger Mitbürger in die Württembergische
Kammer gewählt, geißelte er in einer Denkschrift an die Kammer mit jener Leiden
schaftlichkeit, die, wenn sie auch edelsten Motiven entsprang, doch seine Person und
seine Sache nicht selten schädigte, die Gebrechen der württembergischen Staatsver
waltung und forderte in heftiger, wenn auch keineswegs verbrecherischer Sprache