Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

340 Die katholischen und verwandten Schulen in der Gegenwart 
demokratischen Theorien geschah, war natürlich. Aber am 
Tage, wo die Führer des „Sillonisme“ zur Einsicht gelangen 
würden, daß z. B. eine kollektivistische Gesellschaftsordnung, 
d. h. die Verstaatlichung der Produktionsmittel, geeigneter sei, 
die Lage der unteren Klassen zu verbessern und die „wahre“ 
Demokratie zu verwirklichen, als das korporative Ideal, d. h. 
die Vergenossenschaftlichung des Wirtschaftslebens, würden sie 
das Programm des Sillon in diesem Sinne ändern können, 
ohne daß dadurch dessen Wesen als christlich-religiöser und 
demokratischer, proletarierfreundlicher Freundschaftsbund be 
rührt würde. Aus dieser Feststellung ergibt sich klar der prin 
zipielle Unterschied zwischen der Gruppe der christlichen Demo 
kraten und der noch weiter links stehenden Sill on gruppe. 
Der Sillon wird von den rechtsstehenden Sozialkatholiken 
und den Führern der sozialkatholischen Organisationen seit 
etwa 10 Jahren wegen seines Republikanismus und seiner be 
harrlichen Weigerung, seine Cercles d’Etudes in jene Orga 
nisationen aufgehen zu lassen oder mit ihnen in Verbindung 
zu bringen, auf das heftigste und leidenschaftlichste bekämpft. 
Es ist ihm trotzdem gelungen, bis heute in leidlich guten Be 
ziehungen mit dem Vatikan zu bleiben; die Verbote, durch welche 
viele Bischöfe ihren Klerikern den Beitritt untersagten, sind in 
folge der formlosen Organisation des Sillon ziemlich wirkungslos. 
Mit den ethisch-historischen Nationalökonomen an den juristi 
schen Fakultäten des Staates unterhalten die Führer des Sillon 
die besten Beziehungen x ). Die sozialkatholische Schule wird in 
steigendem Maße mit der stetig fortschreitenden Bewegung zu 
rechnen haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die zukünf 
tige Entwicklung der sozialkatholischen Einheitsdoktrin vom 
Sillon her im Sinne der christlich-demokratischen Anschau 
ungen entscheidend wird beeinflußt werden. 
i) Diese werden wesentlich dadurch gefördert, daß jene immer und immer 
wieder betonen, der Sillon sei nicht konfessionell und vertrage sich auch mit 
dem Freidenkertum recht gut, sofern dieses nur aufrichtig demokratisch und 
proletarierfreundlich sei.
	        
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