fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

Kap:. IX. Analyse des Geldwesens usw. 
desselben möglicherweise über seinem Materialwert stehen. Wenn aber 
das Zahlungsmittel in hinreichender Menge vorhanden ist, muß sein 
‚Wert auf seinen Materialwert herabsinken. Ein Überfluß an Münzen, 
der im Zahlungsverkehr keine Verwendung findet, kann offenbar nur 
als Metall ‚verwertet ‘werden. Unter dieser Voraussetzung muß aber 
der Münzwert gleich dem Metallwert sein. Die Bedingung dafür, daß 
der Münzwert sich über den Metallwert erhöhen kann, ist eine hin- 
reichende Knappheit an Zahlungsmitteln, eine Knappheit, die die Nach- 
frage nötigt, mehr als den bloßen Metallwert der Münze zu bieten, wenn 
sie überhaupt in den Besitz der betreffenden Zahlungsmittel gelangen 
will. Daß eine solche Knappheit an Zahlungsmitteln bestehen kann, und 
daß infolgedessen Zahlungsmittel über ihren Materialwert geschätzt 
werden können, ist von der Erfahrung mehrfach bestätigt. 
2, Denken wir uns zweitens, daß zwei Zahlungsmittel A und B 
vorhanden sind, von denen jedes für sich von durchaus homogener 
Qualität ist und denen dieselbe gesetzliche Zahlungskraft beigelegt ist! 
Nehmen wir an, daß von diesen beiden A den größeren Materialwert 
hat. Wir haben dann zwei Hauptfälle zu unterscheiden. Entweder ist 
vom Zahlungsmittel B hinreichend viel vorhanden oder nicht. Im ersten 
Falle wird der Münzwert vom Materialwert des B bestimmt. A hat 
dann einen höheren Metallwert als Münzwert und muß deshalb als 
Metall verwertet werden. Die höherwertige Münze wird unter den ge- 
gebenen Voraussetzungen von der minderwertigen verdrängt und ver- 
schwindet aus der Zirkulation. Dieses Ergebnis entspricht dem Sso- 
genannten Greshamschen Gesetze, das populär aber wenig‘ exakt 
in der Phrase „das schlechte Geld verdrängt das gute‘ ausgedrückt zu 
werden pflegt. 
Im anderen Hauptfalle, daß an B eine hinreichende Knappheit 
herrscht, kann der Münzwert über dem Metallwert von B liegen. Dabei 
kann der Wert der Preiseinheit noch hinter dem Metallwert von A 
zurückbleiben oder gleich dem Metallwert von A sein oder schließlich 
über diesen Wert hinausgehen. Dieser letzte Fall wird offenbar ein- 
treten, wenn A und B zusammen einen Zahlungsmittelvorrat von hin- 
reichender Knappheit darstellen. 
3. Denken wir uns drittens, daß eine ganze Reihe von verschiedenen 
Zahlungsmitteln zur Verfügung steht, unter welchen jede Qualität, 
von der schlechtesten bis zur besten vertreten ist, und setzen wir ferner 
voraus, daß damit der Bedarf an Zahlungsmitteln reichlich versorgt 
ist. Unter diesen Voraussetzungen wird der Wert der Preiseinheit 
offenbar durch den Metallwert des besten Zahlungsmittels, das noch 
als Zahlungsmittel gebraucht werden muß, um die Bedürfnisse des 
Verkehrs zu befriedigen, bestimmt. Die Münzen mit höherem Metall- 
gehalt werden eingeschmolzen und dem Zahlungsverkehr entzogen. 
Wir finden also, daß der Münzwert nach dem Prinzip der Knapp- 
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