Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher  Überblick

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künstliche  Organisation  hat  ans  die  Belebung  der  gesellschaftlichen ­
  Tätigkeit  so  geringen  Einfluß,  daß  gerade  dort,  wo  sie
sich  darauf  beschränkt,  den  sozialen  Körper  vor  den  bchäden
zu  bewahren,  welche  dessen  Existenz  und  Entwicklung  bedrohen, ­
  die  menschlichen  Gesellschaften  an  Bevölkerungszahl
und  an  Wohlstand  am  raschesten  zunehmen.  Die  künstliche
Organisation  der  Völker  ist  nach  Ort  und  Zeit  verschieden.  Die
Naturgesetze,  welche  deren  Dasein  bedingen  und  deren  Erhalten
bewirken,  bleiben  dagegen  in  allen  Ländern  und  zu  allen  Zeiten
dieselben.“  Daher  ist  denn  auch  die  politische  Ökonomie  „die
Wissenschaft  von  diesen  natürlichen  und  konstanten  Gesetzen,
ohne  welche  die  menschlichen  Gesellschaften  nicht  bestehen
könnten“  x ).
Wie  gelangt  er  nun  zur  Erkenntnis  dieser  Gesetze?
Zunächst  durch  gewissenhafte,  wissenschaftliche  Einzelbeobachtung ­
  volkswirtschaftlicher  Erscheinungen.  „Wenn  aber
eine  Tatsache  gut  beobachtet  wurde,  wenn  wir  durch  Analyse
alles  erkannt  haben,  was  in  derselben  enthalten  ist,  und  wenn
wir  dann  sehen,  inwieweit  diese  Tatsache  mit  allen  andern
Tatsachen  zusammenhängt,  dann  können  wir  aus  denselben
ein  allgemeines  Gesetz  folgern.  Dieses  ist  dann  weiter  nichts
als  der  Ausdruck  für  das,  was  in  allen  ähnlichen  Fällen  geschieht.“ ­
  2 )
Damit  ist  aber  das  wissenschaftliche  Investigationsverfahren
noch  keineswegs  erschöpft.  Zunächst  kann  jedes  durch  gewissenhafte ­
  Beobachtung  gewonnene  und  gut  formulierte  Gesetz
zum  Obersatz  eines  deduktiven  Beweisverfahrens  werden.  Ja
die  Wirtschaftswissenschaft  setzt  sich  überhaupt  zusammen,
„ähnlich  den  exakten  Wissenschaften,  aus  einer  kleinen  Zahl
von  grundlegenden  Prinzipien  und  einer  großen  Zahl  von  Korollaren ­
  oder  Folgerungen  aus  diesen“ 3 ).  Es  empfiehlt  sich  jedoch, ­
  die  Folgerungen,  welche  aus  einem  Satze  gezogen  werden,
nicht  zu  weit  zu  führen,  ohne  wieder  Fühlung  mit  der  Erfahrung ­
  zu  nehmen.  Denn  erstens  können  sich  fehlerhafte  Glieder
in  eine  lange  Kette  von  deduktiven  Beweisführungen  schleichen,
und  zweitens  kann  das  Resultat  der  realen  Entwicklung  be-')

  J.  B.  Say,  Cours  complet,  p.  2.
2 )  ibid.
3 )  J.  B.  Say,  Traité  Bd.  I.  p.  XXIX.
            
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