Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Allgemeine Volkswirtschaftslehre 
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welche sie nicht übergreifen kann; dazu kommt, daß auch die 
Verwaltungskapazität des Staates ihre Grenzen hat. Man mag 
den Staats- oder Kommunalsozialismus als einen Zukunftstraum 
hinstellen. Wissenschaftlich läßt seine bisherige Entwicklung, 
die gewiß eine äußerst verwickelte und umfassende ist, wenn 
sie auch noch weit davon entfernt bleibt, sich auf das ganze 
Wirtschaftsleben zu erstrecken, den Schluß auf dessen wahr 
scheinliche Verallgemeinerung in der Zukunft nicht zu. Das 
Ereiheitsbedürfnis ist in unsern demokratischen Staaten für die 
Individuen wie für die Kollektivitäten ein großes geworden. 
Die bestehenden Genossenschaften und Gewerkvereine werden 
nicht freiwillig auf ihre Unabhängigkeit verzichten und die 
Zwangsdisziplin des Kollektivismus annehmen. Der soziale Zu 
stand, der sich aus den zeitgenössischen Verhältnissen heraus 
entwickelt, und der durch das Aufblühen und die Macht der 
wirtschaftlichen Genossenschaften gekennzeichnet wird, bereitet 
der Verwirklichung des Kollektivismus, des Staats- und des 
Kommunalsozialismus mehr Hindernisse, als der Zustand von 
unorganisiertem Individualismus, der aus der Revolution her 
vorging l ). 
Die Verwirklichung des korporativen oder sozietären Sozia 
lismus ist sowohl in der Richtung der Produktivgenossenschaften, 
als in derjenigen der Konsumvereine denkbar. Die bisherige 
Entwicklung der Dinge spricht gewiß nicht zugunsten eines irgend 
wie erheblichen Fortschreit ens der Produktivgenossenschaften. 
Die Konsumvereinsbewegung dagegen hat zweifellos eine be 
achtenswerte Erfahrung für sich; auch scheint es wahrscheinlich, 
daß sie noch große Produktionsgebiete erobern wird. Im Ver 
gleiche zum Kapitalismus sind aber deren Fortschritte noch 
schwache; in Amerika hat sie sich überhaupt noch nicht ein 
gebürgert. Zudem wird sie immer auf diejenigen Gewerbe 
zweige verzichten müssen, die sich ihrer Natur nach nicht zur 
ausschließlichen Benützung durch ihre Mitglieder eignen, z. B. 
Eisenbahnen, Seeschiffahrt, große Textilindustrie usw. Jeden 
falls ist aber auch die moderne Gesellschaft ein viel zu kom 
plexes Milieu, als daß eines der Elemente derselben, also z. B. 
die Konsumvereine, sich alle andern unterwerfen oder dieselben 
b ibid. p. 334 ft. 
de Waha, Die Nationalökonomie in Frankreich. 
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