Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Wirtschaftliche  Ideen-  und  Tatgeschichte  I  o  4(jAsi.
ein  dankbares  Feld,  um  sein  stetes  Bestreben  den  Waty^ÿsgehalt
  aus  jeder  menschlichen  Äußerung  herauszuschälehsand,
die  verborgenen  Zusammenhänge  scheinbar  weit  abstehender
Gedankengänge  aufzuweisen,  zu  betätigen.  Bei  beiden  erscheint
als  eines  der  Hauptergebnisse  der  ideengeschichtlichen  Forschung
die  Erkenntnis,  daß  das  Gebiet  der  theoretischen  Wissenschaft,
der  reinen  Ökonomik,  auf  dem  konvergierende  Tendenzen  zunehmend ­
  überwiegen,  sich  immer  schärfer  abhebt  von  dem  der
Wirtschaftspolitik,  auf  dem  sich  die  Divergenzen  zunehmend
konsolidieren.  Es  ist  vielleicht  nicht  unnötig  hervorzuheben,
daß  das  Lehrbuch  von  Gide  und  Rist  der  sozialistischen  Gedankenarbeit ­
  —  bei  aller  prinzipiellen  Ablehnung  des  Kollektivismus ­
  —  mit  einem  in  Deutschland  zum  mindesten  ungewohnten ­
  Wohlwollen  gegenüber  tritt.
Wir  können  es  uns  nicht  versagen,  den  schönen  und  anschaulichen ­
  Vergleich,  mit  dem  unsere  Autoren  ihr  umfangreiches ­
  Werk  beschließen,  in  Kürze  wiederzugeben.
Nach  einem  evolutionistischen  Glaubensbekenntnis,  das
darin  gipfelt,  daß  der  Begriff  der  wissenschaftlichen  Wahrheit
zu  Beginn  des  XX.  Jahrhunderts  nicht  identisch  ist  mit  dem,
was  er  im  Anfang  des  XIX.  war,  und  daß  alles  darauf  hindeutet, ­
  daß  er  sich  in  der  Zukunft  noch  weiter  verändern  wird,
schreiben  Gide  und  Rist:  Wenn  man  die  Geschichte  der
volkswirtschaftlichen  Anschauungen  in  den  letzten  150  Jahren
mit  einem  Gesamtblick  überschaut,  so  glaubt  man  vor  einem
geöffneten  Fächer  zu  stehen.  Am  Griff  sind  die  Stäbe  so  eng
aneinander  gepreßt,  daß  sie  ein  Block  zu  sein  scheinen.  In  dem
Maße,  als  der  Blick  zum  Umkreis  vordringt,  gewahrt  er,  wie  die
Stäbe  nach  verschiedenen  Richtungen  auseinander  gehen.  Aber
sie  trennen  sich  nicht  ganz.  Denn  in  dem  Maße,  in  dem  sie
auseinandergehen,  entfaltet  sich  ein  gemeinsames  Gewebe  zwischen
ihnen,  das  sie  zu  einer  neuen  Einheit  verbindet.  Ja,  diese  Einheit ­
  ist  widerstandsfähiger  als  die  künstliche,  die  sich  aus  dem
Aufeinanderliegen  der  Stäbe  am  Handgriff  ergab.
Bei  den  Physiokraten,  mehr  noch  bei  Ad.  Smith,  erscheint
die  Nationalökonomie  als  ein  schöner,  einheitlicher  Lehrkörper.
Aber  die  Zeit  läuft  voran,  die  Wissenschaft  schreitet  fort  und
man  erkennt,  daß  die  Einheit  am  Ausgangspunkte  eine  mehr
scheinbare  als  wirkliche  war.  Die  häufig  kontradiktorischen
            
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