Der Solidarismus bei Charles Gide
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Yon dem Studium der Soziologen rührt Gides Vorliebe
für biologische Analogien her. In seinen Augen ist die Nationalökonomie
für den sozialen Körper, was die Physiologie für den
menschlichen ist. Er stellt fest, daß in der Gegenwart eine
Tendenz zur Scheidung von reiner V olkswirtschaftslehre und
Sozialökonomie besteht. Die erstere will die spontanen Beziehungen
der in Gesellschaft lebenden Menschen erforschen. Ihr Gegenstand
ist das Seiende. Sie strebt danach, sich als Naturwissenschaft
zu konstituieren. Die Sozialökonomie befaßt sich mit den
gewollten Beziehungen, die die Menschen in Form von Genossenschaften,
geschriebenen Gesetzen oder irgendwie gearteten Einrichtungen
unter sich zur Besserung ihrer Lage schaffen. Sie
ist eine ethische Disziplin und eine Kunstlehre. Die beiderseitigen
Gebiete der reinen Volkswirtschaftslehre und der Sozialökonomie
greifen jedoch zu sehr ineinander, als daß eine getrennte
Behandlung beider angebracht wäre '). * Ihre enge Zusammengehörigkeit
ist um so mehr zu betonen, als die klassische
Schule eine absolute Scheidewand zwischen Wissenschaft und
Kunstlehre aufstellt. Für sie erschöpft sich die Kunstlehre im
„laisser faire“; die Wissenschaft erklärt nur, sie rät nichts und
Helsingfors 1903), Holländische (2. Ausl., Groningen 1903), Deutsche (von Dr.
Weiß von Wellenstein, Wien 1904). — Oeuvres choisies de Fourier, mit Einleitung
von Gide. Paris 1890. — La Coopération, Conférences de Propagande,
Paris 1900, 2. Ausl. 1906. — Les Sociétés coopératives de consommation, Paris
1904. — Rapport général sur l’Economie sociale à l’Exposition de 1900, Paris
1903. Davon eine Volksausgabe unter dem Titel: Economie sociale. Les Institutions
du Progrès social au début du XX me siècle, Paris 1905. — Cours
d’Economie politique, Paris 1909. — Ch. Gide et Ch. Rist, Histoire des doctrines
économiques depuis les Physiocrates jusqu’à nos jours, Paris 1909. — Bei den
obigen Ausführungen wurden ferner noch mehrere kleinere Arbeiten von Gide
berücksichtigt, insbesondere : Quatre Ecoles d’Economie sociale. Conférences
données à l’aula de l’université de Genève sous les auspices de la société chrétienne
suisse d’économie sociale. L’Ecole de Le Play, par Claudio-Jannet^
l’Ecole collectiviste par G. Stiegler-, l’Ecole nouvelle par Ch. Gide; l’Ecole de la
Liberté par Frédéric Passt/. Genf und Paris 1890. — L’Idée de Solidarité en
tant que programme économique, Art. in: Revue internationale de Sociologie,
1893, Bd. I, p. 385 ff. — L’Ecole économique française dans ses rapports avec
l’Ecole anglaise et l’Ecole allemande, in : Festgaben zu Schmollers 70. Geburtstag,
Leipzig 1908, XVI. — La Solidarité économique, Vortrag in: Essai d’une
Philosophie de la solidarité, Paris 1907, p. 207 ff. usw.
') Ch. Gide, Cours d’Economie politique, p. 3.