Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

III.  Teil.
Der  Protektionismus.
Protektionismus  nennt  man  eine  Wirtschaftspolitik,  die
durch  staatliche  Schutzmaßnahmen  die  einheimische  Produktion
oder  einzelne  Zweige  derselben  begünstigt.  Deren  Hauptmittel
ist  der  Schutzzoll  ;  es  gibt  aber  noch  viele  andere  Maßnahmen,
in  denen  sich  der  Protektionismus  verwirklicht,  z.  B.  Prämien
für  die  Produktion,  für  die  Ein-  und  Ausfuhr;  Steuerbegünstigungen ­
  ;  Erteilung  von  Monopolen  ;  Sicherung  ausländischer
Märkte  namentlich  in  überseeischen  Besitzungen  ;  Förderung  der
nationalen  Schiffahrt  usw.  Als  Teil  der  merkantilistischen  Wirtschaftspolitik ­
  hat  das  Schutzsystem  seine  Theoretiker  lange  vor
dem  „laisser  faire“  gehabt*).  Abgesehen  von  den  Handelsverträgen ­
  der  sechziger  Jahre  überwog  es  während  des  XIX.  Jahrhunderts ­
  in  der  Wirtschaftspolitik  Frankreichs;  aber  nur  sehr
wenige  Männer  der  Wissenschaft  traten  dafür  ein.  Dagegen  spielt
es  eine  große  Rolle  in  Zeit-  und  Denkschriften  von  Interessenverbänden, ­
  in  der  Tagespresse,  in  der  politischen  Propagandaliteratur, ­
  in  den  Diskussionen  der  gesetzgebenden  Versammlungen ­
  usw.
Theoretische  Verfechter  fanden  die  merkantilistischen  Anschauungen ­
  in  der  ersten  Hälfte  des  verflossenen  Jahrhunderts
in  Ferner,  Ganilh  und  Louis  Say.  Ferrier 1  2 )  trat  unter  der  Restauration ­
  und  dem  Julikönigtum  für  die  Schutzbestrebungen
der  französischen  Industrie  gegen  die  Lehren  J.  B.  Says  und
1)  Eine  ausführliche  Bibliographie  und  vorzügliche  Behandlung  der  französischen ­
  merkantilistischen  Literatur  findet  sich  bei  A.  Dubois,  Précis  de  l’histoire
des  Doctrines  économiques,  Paris  1903,  Bd.  I,  p.  146  ff.
2 )  Ferrier,  Du  Gouvernement  dans  ses  rapports  avec  le  Commerce.
Paris  1802.
            
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