Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Überblick

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den  Gesetzen  der  Evolution,  wie  das  gesellschaftliche  Gewissen,
von  dem  sie  nur  eine  Seite  darstellt.“  Daraus,  daß  die  volkswirtschaftlichen ­
  Systeme  nicht  aus  universellen  Ideen  bestehen,
sondern  aus  praktischen  Erwägungen  zusammengesetzt  sind,
ergibt  sich  für  die  Geschichtsepoche,  in  der  wir  leben,  die  Notwendigkeit, ­
  daß  die  politische  Ökonomie  eine  national  wirtschaftliche, ­
  protektionistische  sei 1 ).
Der  Fehler  der  biologischen  Soziologie  besteht  darin,  der
Freiheit,  dem  sittlichen  Handeln  des  Menschen  in  der  historischen
Entwicklung  der  Gesellschaften  keinen  Platz  zu  geben,  sowie
dem  Überwiegen  des  Staates,  dem  die  Rolle  des  Gehirns  im
Organismus  zufällt,  über  die  Individuen,  die  lebenden  Zellen
des  sozialen  Körpers,  keine  Grenzen  zu  setzen.  Dies  erkennt
Jean  Izoulet,  Professor  am  Collège  de  France,  und  er  versucht
in  sehr  ingeniöser  Weise  die  Antinomie  zwischen  der  biosoziologischen ­
  Hypothese  und  der  Freiheit  des  Individuums  in
seinem  ideenreichen  Werke  „La  Cité  moderne“  zu  lösen.
Auf  volkswirtschaftlichem  Gebiete,  meint  Izoulet 2 ),  gibt
es  eigentlich  nur  zwei  Ansichten,  zwei  Schulen,  die  sich  bekämpfen ­
  :  auf  der  einen  Seite  den  Individualismus,  der  die  Idee
der  Freiheit  verteidigt,  auf  der  andern  den  Sozialismus,  der
für  die  Idee  der  Solidarität  eintritt.  Die  bio-soziologische  Hypothese, ­
  d.  h.  die  Gesellschaft  als  Organismus  gedacht,  schließt
nun  sowohl  den  absoluten  Individualismus,  als  den  absoluten
Sozialismus  aus,  während  sie  andererseits  zeigt,  daß  die  soziale
Entwicklung  eine  Resultante  aus  Freiheit  und  Solidarität  ist,
wie  die  Bewegungen  der  Himmelskörper  die  Resultante  zentripetaler ­
  und  zentrifugaler  oder  tangentialer  Kräfte  sind.
Gegen  den  Individualismus  und  für  den  Sozialismus  bietet
die  besagte  Hypothese  folgendes  Argument  :  Der  Individualismus
beruht  auf  der  Anschauung,  das  Privateigentum  an  den  Sachen
gründe  auf  dem  Eigentum  an  der  Person.  Weil  ein  Mensch
Eigentümer  seiner  physischen  und  seelischen  Fähigkeiten  ist,

1)  Espinas,  Histoire  des  Doctrines  économiques,  Paris  1894,  p.  341  ff.  —
Über  das  Hauptwerk  von  Espinas,  Les  Sociétés  animales,  vgl.  Cauw'es,  Cours
d’Economie  politique,  Paris  1893,  Bd.  I,  p.  15  ff.  ;  Henry  Michel,  L’Idée  de
l’Etat,  p.  467  ff.
2 )  Izoulet,  La  Cité  moderne.  Métaphysique  de  la  Sociologie.  7.  Aufl.
Paris  1908,  p.  643  ff.
            
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