Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Überblick

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ein  psychologisches  Individuum  ausmacht,  welches  ein  eigenes,
von  der  Summe  der  individuellen  Leben  verschiedenes  psychisches ­
  Leben  hätte 1 ).
In  dem  Werke  „La  Propriété  sociale  et  la  Démocratie“
arbeitet  Fouillée  den  Gesichtspunkt  gesellschaftlichen  Miteigentums ­
  an  jedem  Privateigentum  mit  großer  Schärfe  heraus.
Er  verwirft  den  absoluten  Eigentumsbegriff,  weil  dieser  verkennt, ­
  was  wir  an  materiellen,  intellektuellen  und  sittlichen
Gütern  der  Gesellschaft  verdanken 2 ).  Er  verwirft  aber  auch
den  absoluten  Kollektivismus,  erstens,  weil  die  Gesellschaft  als
solche  den  Boden  und  die  Arbeitsinstrumente  nicht  schafft  ;
zweitens,  weil  der  Kollektivismus  nicht  nur  das  Recht  aller
Franzosen  auf  Frankreich,  aller  Deutschen  auf  Deutschland  lehrt,
sondern  auch  das  Recht  aller  Menschen  auf  das  Territorium
einer  jeden  Nation,  ja  selbst  das  Recht  der  kommenden  Menschheit ­
  auf  das,  was  die  heute  lebende  besitzt 3 ).
Nach  Fouillée  muß  der  Staat  dafür  sorgen,  daß  Privatund
  Kollektiveigentum  sich  neben  einander  entwickeln.  Als
Mittel  zur  Vermehrung  des  letztem  empfiehlt  er  zeitlich  beschränkte ­
  Konzessionen  von  Ländereien,  so  daß  die  Gesellschaft
vom  Mehrwert  des  Bodens  Nutzen  habe.  Als  Mittel  zur  Vermehrung ­
  des  Privateigentums  empfiehlt  er  Erleichterung  des
Volkskredits.  Endlich  ist  Fouillée  ein  entschiedener  Genossenschafter; ­
  der  Staat  der  Zukunft  wird,  sagt  er,  „eine  aus  der
Dezentralisierung  hervorgehende  freie  Zentralisierung,  eine  Genossenschaft ­
  der  Genossenschaften  sein“  4 ).
Der  Philosoph  Charles  Renouvier  hat  mit  der  bio  soziologischen ­
  Hypothese  nichts  zu  tun.  Er  greift  auf  den  Individualismus ­
  des  XVIII.  Jahrhunderts  zurück  und  lehrt,  daß  sich  aus
der  Idee  der  Gerechtigkeit  für  den  Staat  das  Recht  und  die
Pflicht  ergebe,  in  die  politische  und  wirtschaftliche  Ordnung
einzugreifen,  um  den  Individuen  zu  helfen,  ihre  Individualität,
ihre  sittliche  Persönlichkeit  zu  entwickeln.  Die  Persönlichkeit

*)  Alfred  Fouillée,  La  Science  sociale  contemporaine,  4.  Aufl.  Paris  1904,
p.  74  ff.,  110,  111  ff.,  227  ff.
2 )  A.  Fouillée,  La  Propriété  sociale  et  la  Démocratie,  Paris  1884,  p.  11  ff.
8 )  ibid.  p.  27  ff.
4 )  A.  Fouillée,  La  Science  sociale  contemporaine,  p.  180.  Über  Fouillée
vgl.  Henry  Michel,  L'Idée  de  l’Etat,  p.  581  ff.
            
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