Die „interpsychologische“ Grundlegung der Nationalökonomie 503
Privateigentums besonders an Grund und Boden ein. Wenn die
Anhänglichkeit des Menschen an die Erde gelöst würde, so
würde damit ein ganzes Heer von Gegensätzen entfesselt, und
eine allgemeine Entwurzelung der bestehenden sozialen Ein
richtungen hervorgerufen. Das wäre für die allgemeine Har
monie des Wirtschaftslebens sehr gefahrbringend. Die Vertei
lung von Grund und Boden, wie sie historisch entstanden und
geworden ist, läßt zwar viel zu wünschen übrig. Deshalb
soll sie jedoch nicht brutal beseitigt, sondern reformiert
werden. Wie das geschehen soll, wird von Tarde nicht aus
geführt i).
Der Tausch hat sich wahrscheinlich aus Geschenken und
Kaub entwickelt. Das beweisen einerseits die Erzählungen der
Reisenden, die mit wilden Völkerstämmen in Berührung kamen,
andererseits die tägliche Erfahrung auf den Spielplätzen unserer
Schulkinder 2 ).
Der soziale Gewinn des Tausches, vom Gesichtspunkt der
Harmonisierung der Interessen und Ideen aus, ist um so größer,
je gerechter der Tausch ist, d. h. je näher der wirkliche Preis
dem gerechten kommt 3 ).
Bei den Beziehungen der Völker untereinander kommt es
nicht so sehr auf den Freihandel an, als auf den freien Aus
tausch der wissenschaftlichen, künstlerischen, sittlichen Güter,
der mit wirtschaftlichem Protektionismus sehr gut vereinbar ist.
Man muß sich hüten, den wirtschaftlichen Protektionismus der
modernen Völker, die sich mit Zollschranken umgeben, während
die Personenzüge, Telegramme, Zeitungen durch 1000 Breschen
ihrer Grenzen frei verkehren, mit jenem der barbarischen oder
halbkultivierten Völker zu verwechseln, welcher wesentlich auf
sittlichem und sozialem Protektionismus beruht und sich feind
selig gegen alles Fremde abschließt. Selbst wenn die modernen
Völker kein einziges Produkt mehr austauschen würden, so
bliebe doch noch der Austausch all ihrer produktiven Erfin
dungen und intellektuellen Produkte, der übrigens den
*) Tarde, Psychologie économique, Bd. II, p. 223 ff., 298 ff.
s) ibid. p. 346 ff.
3 ) ibid. p. 233.