Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  Nationalökonomie  bei  den  Philosophen  und  Soziologen

lichkeit  Arbeit  und  Erfindung  aufs  innigste  verbunden  zu  sein
pflegen  —  daß  mit  ihr  nicht  viel  mehr  als  eine  gefährliche
Fehlerquelle  für  das  Räsonnement  gewonnen  ist.  Es  würde  der
Wirklichkeit  näher  kommen,  die  Erfindung  als  eine  besondere,
intensive  Art  von  Arbeit  zu  behandeln.  Warum  nicht  sagen:
die  Arbeit  ist  entweder  Erfindung  oder  Nachahmung?  Glücklicher ­
  als  jene  Gegenüberstellung,  die  wir  beanstanden,  ist  die
Einreihung  der  Erfindungen  —  Herstellungsprozesse  und  Kulturmethoden ­
  —  unter  den  Kapitalbegriff,  wenn  auch  die  Rolle  von
Rohstoffen  und  Produktionsinstrumenten  im  Vergleich  zu  der
der  Erfindungen  zu  sehr  herabgemindert  wird.
Der  Umstand,  daß  Tarde  den  Erfindungen  eine  überragende ­
  Rolle  im  Wirtschaftsleben  zuschreibt,  hat  unter  anderm
zur  Folge,  daß  bei  ihm  die  Rolle  des  Unternehmers  gegenüber
der  des  Arbeiters  im  Produktionsprozeß  stark  in  den  Vordergrund ­
  tritt.  Denn  die  Tätigkeit  des  Unternehmers  besteht  in
viel  höherm  Maße  in  Erfindung,  als  die  des  Arbeiters,  die  sich
fast  ganz  in  Nachahmung  erschöpft.  Gewiß  tritt  Tarde  unermüdlich ­
  gegen  den  orthodoxen  Liberalismus  in  die  Schranken
und  stellt  den  Menschen  ins  Zentrum  des  wirtschaftswissenschaftlichen ­
  Interesses.  Aber  seine  Volkswirtschaftslehre  hat
darum  nicht  weniger  einen  ausgesprochenen  Charakter  von
Unternehmer-,  nicht  Arbeiterfreundlichkeit.
Die  psychologische  Grundlegung,  welche  Tarde  der  Nationalökonomie ­
  gibt,  hat  nicht  nur  ein  bisher  ungeahntes  Hervortreten
der  Rolle  von  Erfindung  und  Nachahmung  im  Wirtschaftsleben,
sowie  vor  allem  eine  vielseitige  Bereicherung  der  Bedürfnislehre
bewirkt,  sondern  auch  eine  weitausholende  Bestätigung  der
subjektiven  Werttheorie  gezeitigt.  Über  die  Grenznutzentheorie
urteilt  Tarde  allzu  abfällig,  offenbar  weil  er  deren  Tragweite
nur  teilweise  erkannt  hat;  man  darf  aber  nicht  übersehen,  daß
er  auch  sie  glücklich  ergänzt  hat.  Immerhin  ist  seine  Wertund
  Preislehre  ungenügend  ausgebaut.
Den  Gesamteindruck,  den  Tardes  interpsychologische
Soziologie  und  speziell  sein  Werk  „Psychologie  économique“
beim  Leser  hinterläßt,  hat  Professor  Mahaim  aus  Lüttich  in  folgende ­
  treffende  Worte  gekleidet:  „L’impression  générale  que
laisse  ce  livre  est  celle  d’une  majestueuse  et  harmonieuse  forêt.
Elle  a  des  allées  grandioses,  des  perspectives  infinies  admirable-
            
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