Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  Nationalökonomie  bei  den  Philosophen  und  Soziologen

auch  die  Ausdehnung  des  „Volumens  der  Gesellschaft“,  d.  h.
der  absoluten  Bevölkerungszahl,  hat  jene  Wirkung.  Wie  jedoch
das  Beispiel  von  China  und  Rußland  zeigen,  ist  das  Anwachsen
der  absoluten  Bevölkerungszahl  nur  dann  ein  die  Arbeitsteilung
förderndes  Moment,  wenn  gleichzeitig  mit  der  Zahl  der  Individuen ­
  auch  die  Zahl  der  sozialen  Beziehungen  zunimmt.
Die  Zunahme  der  Gesellschaft  an  Dichtheit  und  Volumen
bewirkt  das  Fortschreiten  der  Arbeitsteilung,  indem  sie  die  Intensität ­
  des  Kampfes  ums  Dasein  stärkt.  So  lange  die  menschlichen ­
  Gesellschaften  aus  getrennt  lebenden  Gruppen  bestehen,
werden  die  Glieder  einer  jeden  Gruppe  durch  die  Wände,  welche
die  einzelnen  Gruppen  trennen,  vor  den  ähnlichen  Organen  anderer ­
  Gruppen  geschützt.  Wenn  aber  diese  Wände  verschwinden,
ist  es  unvermeidlich,  daß  die  ähnlichen  Organe  verschiedener
Gruppen  sich  erreichen,  miteinander  in  Kampf  treten  und  sich
bestreben,  einander  aus  dem  Felde  zu  schlagen.  In  welcher
Weise  dies  auch  geschehe,  es  folgt  immer  daraus  ein  Fortschritt
in  der  Richtung  auf  Spezialisierung.  Der  kleine  Meister  wird
Vorarbeiter,  der  Kleinhändler  Angestellter,  zwei  Unternehmer
grenzen  ihr  Produktionsgebiet  gegenseitig  ab  usw.  Die  Arbeitsteilung ­
  ist  also  ein  Ergebnis  des  Kampfes  ums  Dasein.
Neben  der  Arbeitsteilung  erzeugt  dieser  auch  das  Bedürfnis
nach  reichlichem  und  bessern  Produkten.  Dieses  Bedürfnis  ist
also  keineswegs  die  Ursache  der  Arbeitsteilung.  Ein  intensiverer
Kampf  ums  Dasein  verlangt  eine  größere  Verausgabung  von
Kräften.  Damit  das  Leben  sich  erhalte,  muß  der  Kräfteersatz
der  Kraft  ausgab  e  entsprechen.  Eine  reichlichere  und  gewähltere
Nahrung  wird  nötig.  Wenn  wir  uns  also  spezialisieren,  geschieht ­
  es  nicht,  um  mehr  und  besser  zu  produzieren,  sondern
um  in  den  neuen  Arbeitsbedingungen,  in  die  wir  treten,  leben
zu  können.
Die  normale  Wirkung  der  Arbeitsteilung  ist  Solidarität.
Es  kommt  aber  vor,  daß  jene  geradezu  einen  Bruch  dieser  bewirkt. ­
  Das  geschieht  erstens  dann,  wenn  bei  spezialisierten
Funktionen  die  solidarischen  Organe  nicht  genügend  Fühlung  mit
einander  haben  *).  Wenn  die  Produzenten  den  Markt  nicht  mehr
zu  überblicken  vermögen,  und  die  Produktion  infolgedessen

*)  Durkheim,  loe.  eit.  p.  343  ff.
            
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