Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die „positive“ Grundlegung der Nationalökonomie 
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Bremse und Regel verliert, ist unausbleiblich, daß sie das rich 
tige Maß bald in der einen, bald in der andern Richtung über 
schreitet. Dann entstehen Krisen, d. h. die Arbeitsteilung führt 
zu einem Bruch der Solidarität. Ebenso bildete sich der Anta 
gonismus zwischen Kapital and Arbeit heraus, als die aufkommende 
Großindustrie eine derartige Umwälzung der gewerblichen Ver 
hältnisse mit sich brachte, daß die Fühlung, die unter der 
frühem Ordnung Arbeitgeber und Arbeiter hatten, verloren 
ging. Die gegenüberstehenden Interessen haben eben die Zeit 
noch nicht gehabt, sich mit einander ins Gleichgewicht zu 
setzen, ihre neuen Beziehungen zu regeln*). Eine zweite 
anormale Form der Arbeitsteilung ist die erzwungene Speziali 
sierung 2 ). Die Arbeitsteilung erzeugt die Solidarität nur in dem 
Maße, in welchem sie spontan ist. Spontaneität besagt das 
Fehlen, nicht nur von jedem formellen Zwang, sondern auch 
von jeder Art von Ungleichheit in den äußeren Bedingungen 
des Kampfes ums Dasein. Die Form der Arbeitsteilung, welche 
sich in einer Klassen- oder Kasteneinteilung verkörpert, erzeugt 
von dem Tage an, wo sie keine Basis mehr in den Sitten hat 
und sich folglich nur mehr durch Gewalt aufrecht erhält, nicht 
Solidarität sondern Klassenkampf. Ein dritter Fall pathologischer 
Gestaltung der Arbeitsteilung ist dann gegeben, wenn die funk 
tionelle Tätigkeit der einzelnen Organe eine ungenügende ist 3 ). 
J ) Hieher gehört auch folgende Argumentation Dürkheims: Man hat der 
Arbeitsteilung vorgeworfen, sagt er, sie erniedrige die menschliche Natur und 
mindere das Individuum, indem sie es zu der Rolle einer Maschine herab 
drücke. Der Mensch, der sein ganzes Leben nur Messergriffe oder Nadelköpfe 
macht, verkommt allerdings geistig und körperlich. Die Arbeitsteilung erzeugt 
jedoch diese Wirkung nicht dank einer Notwendigkeit ihrer Natur, sondern nur 
in außergewöhnlichen und anormalen Umständen. Das normale Spiel einer jeden 
spezialisierten Funktion verlangt, daß das Individuum sich nicht eng darin ein 
schließe, sondern daß es beständige Beziehungen zu den benachbarten Funk 
tionen unterhalte, deren Bedürfnisse und die Veränderungen dieser kenne usw. 
Die Arbeitsteilung setzt voraus, daß der Arbeiter, weit entfernt über seinen ein 
förmigen Verrichtungen gebeugt zu bleiben, seine Mitarbeiter nicht aus dem 
Auge verliere, auf sie einwirke und selber deren Einwirkung empfange. Sie er 
zeugt das erhebende Bewußtsein, daß die Arbeitsverrichtungen des Einzelnen, 
so spezialisiert und monoton sie auch seien, ein gesellschaftliches Ziel haben und 
mit andern solidarisch sind. Durkheim, loe. cit. p. 362 ff. 
2 ) Durkheim, loe. cit. p. 367 ff. 
3 ) ibid. p. 383 ff.
	        
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