Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  „positive“  Grundlegung  der  Nationalökonomie

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von  der  einförmigen,  in  sich  abgeschlossenen  Gesellschaft  zu
der  arbeitsteiligen,  von  der  mechanischen  zur  organischen  Solidarität ­
  durch  das  Mittel  der  Arbeitsteilung,  nicht  eine  mindestens
ebenso  unhistorische  Voraussetzung,  als  die  von  Comte?  Durkheim ­
  ist  viel  zu  sehr  rationalistischer  Theoretiker,  als  daß  es
ihm  gelingen  sollte,  das  Ergebnis  einer  Beobachtung  so  unbefangen ­
  zu  formulieren,  daß  die  Formel  nicht  schon  eine  in  dem
beobachteten  Gegenstand  nicht  enthaltene  Doktrin  enthielte!
Durkheim  passiert  aber  nicht  nur  das  Mißgeschick,  welches
alle  jene  trifft,  die  in  den  Geisteswissenschaften  entweder  mit
der  Induktion  allein,  oder  mit  der  Deduktion  allein  glauben
auskommen  zu  können,  sondern  er  beobachtet  auch  schlecht.
Gewiß  erzeugt  die  gesellschaftliche  oder  berufliche  Arbeitsteilung
Solidaritäten,  wie  sie  auch  Rechte  und  Pflichten  begründet.
Aber  tut  sie  das  etwa  allein?  Gibt  es  nicht  neben  ihr  noch
viele  andere  Quellen  von  Solidaritäten,  von  Rechten  und  Pflichten  ?
Anzufangen  mit  der  allgemeinsten  aller  wirtschaftlichen  Erscheinungen, ­
  wie  Gide  sagt,  dem  Konsum  :  erzeugt  dieser  nicht
Solidaritäten,  die  sich  in  Genossenschaften  verkörpern,  welche
die  beruflichen,  arbeitsteiligen  Differenzierungen  der  Individuen
nivellieren  ?  Erzeugt  die  Gemeinsamkeit  der  Risiken  nicht  etwa
die  Solidarität  der  Gegenseitigkeitsgenossenschaft?  Noch  mehr,
hat  Durkheim  wirklich  den  Beweis  erbracht,  daß,  um  Solidaritäten ­
  oder  um  Rechte  und  Pflichten  zu  erzeugen,  eine  einheitlich ­
  oder  arbeitsteilig  organisierte  Kollektivität  nötig  ist?
Wir  glauben  es  nicht.  Die  sittliche  Rolle  der  Arbeitsteilung
im  Leben  der  menschlichen  Gesellschaft  hat  er  jedenfalls  weit
überschätzt.
Zum  dritten  —  und  damit  wollen  wir  uns  bescheiden  —
beruht  die  enge,  gegenseitige  Bedingtheit  der  Fortschritte  der
Arbeitsteilung  und  der  Entwicklung  der  Persönlichkeit,  das  Aufgehen ­
  dieser  in  den  Berufsmenschen  bei  Durkheim  auf  einem
sehr  zu  beanstandenden,  aphoristischen  Persönlichkeitsbegriff.
Gide  ist  z.  B.  im  Gegensatz  zu  Durkheim  der  Ansicht,  daß
der  Mensch  erst  dann  so  recht  seine  Persönlichkeit  zu  entwickeln
beginnt,  wenn  er  am  Abend  seine  Arbeitsjacke  auszieht  und  im
für  alle  gleichen  Gesellschaftskleide  sich  in  irgend  welcher,  alle
Berufe  nivellierender  konsumgenossenschaftlicher  Tätigkeit  selbstlos ­
  für  das  Wohl  seiner  Mitmenschen  betätigt.
            
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