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Die Nationalökonomie bei den Philosophen und Soziologen
Gebiete zwei Gruppen von Erscheinungen regelmäßig wieder
holen. Diese Gruppen oder Zyklen sind: 1. wenn der Verkaufs
preis der Kohlen steigt, so steigen gleichzeitig, wenn auch
weniger rasch, der Arbeitslohn pro Tonne und der durchschnitt
liche Tagesverdienst der Arbeiter, während ihre durchschnitt
liche Tagesleistung stationär bleibt oder sinkt; 2. wenn der
Verkaufspreis der Kohlen sinkt, so sinkt nach einiger Zeit auch
der Arbeitslohn pro Tonne, während die durchschnittliche Tages
produktion steigt; das Steigen dieser hat zur Folge, daß der
Tagesverdienst stationär bleibt oder doch wenigstens in weit
geringerm Maße sinkt, als es der Arbeitslohn pro Tonne tut 1 ).
Die Frage nach der Ursache dieser beobachteten Lohn
erscheinungen beantwortet Simiand dahin, daß sie im Handeln
der Arbeitgeber und der Arbeiter zu suchen sei. Dieses Handeln
hat einen genau bestimmten Gegenstand und wird durch scharf
umgrenzte Tendenzen geleitet. Gegenstand des Handelns der
Arbeitgeber und Arbeiter sind Gewinn und Anstrengung 2 ). Die
in Betracht kommenden Tendenzen des beiderseitigen Handelns
sind (man beachte die Reihenfolge); 1. die Tendenz, den be
stehenden Gewinn zu erhalten ; 2. die Tendenz, die Anstrengung
nicht zu steigern; 3. die Tendenz, den Gewinn zu erhöhen;
4. die Tendenz, die Anstrengung zu verringern.
Simiand stellt nun folgende Sätze auf 3 ):
A. In einem und demselben wirtschaftlichen Subjekte siegt
eine jede der angeführten Tendenzen im Konfliktfall über die
nächstfolgende.
B. Die Tendenzen gleicher Rangstufe bei Arbeitgebern und
Arbeitern finden sich im Konfliktfalle miteinander ab, so zwar,
daß beide eine nur teilweise Befriedigung erreichen. Wenn
1) Simiand, Le Salaire des Ouvriers des Mines de charbon en France,
Paris 1907, p. 95—97, p. 179.
2 ) Unter Gewinn versteht Simiand: auf seiten der Arbeitgeber das Ver
hältnis des Lohnes, der für die auf die Erzeugung einer Tonne Kohlen ver
wandte Arbeit gezahlt werden muß, zum Verkaufspreis; auf seiten der Arbeiter
den Tagesverdienst. Unter Anstrengung versteht er: auf seiten der Arbeitgeber
die Leitung des Betriebes, die Organisation der Produktion, die technische und
wirtschaftliche Initiative usw. ; auf seiten der Arbeiter die tägliche Wirkung
des Tagesverdienstes, die in Zeit und Intensität geschätzte, pro Tag gelieferte
Arbeitsmenge. Simiand, loc. cit. p. 291—294.
s ) Ibid. p. 295—299.