Geschichtlicher Überblick
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men sind dies nur scheinbar. Im letzten Grunde findet sich
immer Übereinstimmung. Alle Interessengegensätze zwischen
Produzenten und Konsumenten, Arbeitgebern und Arbeitern,
Besitzenden und Besitzlosen usw. sind nur akzidentelle Erscheinungen,
welche sich in die allgemeine Harmonie der Gesellschaft
auflösen.
Von großer Bedeutung für den Erweis der Harmonie im
Wirtschaftsleben ist bei Bastiat das Prinzip der Gerechtigkeit.
Dasselbe war von der utilitaristischen Wirtschaftslehre, insbesondere
von Bentham und Ricardo, außer acht gelassen
worden. Die Sozialisten nahmen die unbesetzte Position ein und
negierten von ihr aus die Berechtigung von Privateigentum, Zins,
Erbrecht usw. Bastiat ist nun bestrebt, das Tatsächliche, das
Seiende im Wirtschaftsleben an dem sittlichen Postulate der
Gerechtigkeit zu messen, und die schließliche Übereinstimmung
beider zu behaupten: das ist das Wesentliche seiner Harmonielehre.
Alle Einzelharmonien, deren sich Bastiat über dem
Schreiben immer neue eröffnen, laufen zusammen in die eine
große der harmonischen Evolution des Wirtschaftslebens: „Das
natürliche Resultat des sozialen Mechanismus ist eine konstante
Erhöhung des physischen, intellektuellen und moralischen
Niveaus für alle Klassen, mit Tendenz zur Gleichheit 1 ).“
Bastiats vielumstrittene Wert- und Rententheorie 2 ), welche
D uno y er sehe Ideen zum Ausgangspunkt hat und deren Priorität
ihm von Careij streitig gemacht wurde, beruht auf der Unterscheidung
zwischen unentgeltlichen und onerosen Brauchbarkeiten.
Die ersten schafft die Natur. Sie haben keinen Wertcharakter
und sind lediglich Brauchbarkeiten 3 ). Damit ist die
J ) Bastiat, Oeuvres, Bd. I, p. 24.
*) Bastiat, Oeuvres, Bd. VI, p. 128 ff.
s ) „Die natürlichen Agentien, selbst wenn sie in Privatbesitz übergegangen
sind, erzeugen keinen Wert, sondern Brauchbarkeiten, welche durch die Hand
ihrer Besitzer gehen, ohne etwas von sich daran kleben zu lassen und unentgeltlich
in die des Konsumenten übergehen.“ (Oeuvres Bd. VI, cap. IX, p. 276).
Bastiat sucht diese Anschauung durch eine Reihe von Beispielen aus der Ansiedlungsgeschichte
von Nordamerika, welche er im Sinne seiner Theorie interpretiert
, zu beweisen (Harmonies, cap. 9). Die Unentgeltlichkeit der Mitwirkung
der Natur beim Produktionsprozesse ist eine Konsequenz aus Dunoyers
Satz, daß der Faktor Natur erst durch des Menschen Arbeitstätigkeit zum
Produktionselement wird.