Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die liberale Schule 
auf die Darlegung der Beschränkungen, welche heute noch auf 
dem Freiheitsregime lasten (Schutzzoll usw.). 
Im Gegensatz zu seinen Kollegen der klassischen Schule 
legt Courcelle-Seneuil soviel historischen Sinn an den Tag, 
das Autoritätsregime keineswegs absolut zu verwerfen, noch das 
jenige der Freiheit als das einfach natürliche hinzustellen. Von 
vornherein bezeichnet er beide als jeweiliges Resultat freien 
menschlichen Wollens. Da aber der Mensch durch eine Reihe 
von Entwicklungsstufen hindurchgeht, ist das eine für diese, das 
andere für jene am besten geeignet. Für die modernen Staaten 
ist die Aneignung auf dem Wege der Freiheit ein Ideal, zu dem 
sie sich seit hundert Jahren hinbewegen *). 
Courcelle-Seneuils Theorie der Aneignungssysteme 
vermag die wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung in ihrem tat 
sächlichen Geschehen zu veranschaulichen. Sie hat einen an 
erkennenswerten Wahrheitsgehalt. Wesentlich günstiger würde 
sie sich präsentieren, wenn der Autor für deren Darstellung 
den Weg gewählt hätte, auf welchem er sie gewann. Es 
liegt auf der Hand, daß sie das aposteriorische Ergebnis einer, 
wenn auch noch so sehr auf allgemeine Tatsachen beschränkten 
Beobachtung der Geschichte ist. Die Darstellung aber bewegt 
sich in umgekehrter Richtung, indem erst die zweigliedrige An 
eignungstheorie aufgestellt und dann versucht wird, damit die 
verschiedensten historischen Wirklichkeiten zu decken. Für 
Courcelle-Seneuil ist das wichtigste Resultat seiner Theorie 
der Aneignungssysteme, daß sie, genau wie die historische Auf 
fassung Turgots, Condorcets, Aug. Comtes oder Du no 
yers, eine ausgezeichnete Grundlage zur deduktiven Eruierung 
des Fortschrittscharakters und der Vorzüglichkeit des Nicht 
interventionismus bietet. Und einen Fortschritt über J. B. Say 
*) ibid., p. 373. ..In einer Gesellschaft, deren Mitglieder zu einer un 
gefähr gleichen Stufe wirtschaftlichen Fortschritts gelangt sind, entfaltet die 
Freiheit viel mehr Kräfte als die Autorität, weil sie die ganze vorhandene 
Kraft ausnutzt, während jede autoritäre Anordnung notwendig einen Teil davon 
ungebraucht läßt. Wenn dagegen in einer Gesellschaft nur einige Glieder zu 
einer höheren Stufe wirtschaftlicher Entwicklung gelangt sind, während die 
Masse ohne Kenntnisse, ohne Bedürfnisse, ohne Tatkraft dahinlebt und, ließe 
man sie frei, sich dem Müßiggang und tollem Güterverbrauch hingeben würde, 
dann kann die Autorität wohl mehr produktive Kräfte auslösen als die Frei 
heit . . .“ ibid., p. 374.
	        
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