Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  gegenwärtige  Lage  der  liberalen  Schule

dienen  hauptsächlich  den  Interessen  der  Geschäftswelt.  Die
gegenseitige  Abgrenzung  des  Gebietes  kommt  in  den  beiden
Titeln  genügend  zum  Ausdruck.  Von  Börsenblättern,  welche
nationalökonomische  Anschauungen  im  Sinne  der  liberalen
Schule  vertreten,  sei  nur  das  von  Alfred  Neymarck  geleitete
Le  Rentier  angeführt.
Endlich  sei  noch  an  das  von  Léon  Say  und  Ghailley-Bert
herausgegebene  Nouveau  Dictionnaire  d'Economie  Politique  (2  Bde.
Paris,  Guillaumin  1891—92;  2.  Ausi.  1896;  dazu  ein  Supplementband ­
  1897)  erinnert.  Der  Umstand,  daß  die  prinzipielle  Fragen
behandelnden  Artikel  des  Wörterbuches  A.  Liesse,  Courcelle-Seneuil
  und  G.  de  Molinari  zu  Verfassern  haben,  gibt  dem  ganzen
Werke  einen  streng  orthodoxen  Charakter.  Im  übrigen  hat  fast
die  gesamte  heute  lebende  Generation  der  liberalen  Schule
Frankreichs  an  demselben  mitgearbeitet 1 ).  Zu  bedauern  ist,
daß  deren  beste  Finanzschriftsteller  die  hauptsächlichsten  finanzwissenschaftlichen ­
  Artikel  Größen  geringerer  Ordnung  überlassen ­
  haben.
Die  Aktionsmittel  der  liberalen  Schule  sind  mit  obiger
Zusammenstellung  nicht  erschöpft.  An  gelegentlicher  Mitarbeit
ihrer  Mitglieder  an  sonstigen  Publikationen,  z.  B.  an  der  Revue
d'  Economie  Politique,  der  Revue  économique  internationale,  der  Revue
politique  et  parlementaire  usw.  fehlt  es  nicht.  Auch  dürfte  die
im  Frühjahr  1908  von  Professor  Deschamps  von  der  juristischen
Fakultät  in  Paris  ins  Leben  gerufene  Revue  d'Histoire  des  Doctrines
Economiques,  welche  wirtschaftsgeschichtlichen  Studien  dienen
soll,  den  Anschauungen  des  Gründers  entsprechend,  vornehmlich
in  den  Dienst  der  individualistischen  Wirtschaftstheorie  treten.
In  den  Parlamenten  ging  der  Stern  der  liberalen  Schule  seit
Ende  der  70er  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  beständig  abwärts. ­
  Die  Jahre  1881  und  1892  brachten  Revisionen  der  freihändlerischen ­
  Handelsverträge  der  60er  Jahre  in  schutzzöllnerischem
  Sinn.  Heute  ist  die  Schule  nur  mehr  durch  Paul  Beauregard ­
  in  der  Kammer  vertreten.  Kammer  und  Senat  sind  heute
für  die  natürliche  Ordnung  des  Wirtschaftslebens  und  die  staatliche ­
  Nichtintervention  nicht  zu  haben.  Freihändlerisch  sind  ja

1 )  Unter  den  Mitarbeitern  findet  sich  auch  Ludwig  Bamberger  (Art.
Socialisme  d’Etat).
            
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