Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

10. Kap. Die verschiedenen Zweige der Consumtion. 
145 
Maismehl leben, was dann an den dort so häufig vorkommenden Er 
krankungen an Pellagra die Schuld trägt. 
Die Regel, daß die Ernährungsweise eines Volkes nicht die Ursache, 
sondern das Resultat der socialen Verhältnisse ist, erleidet eine Ausnahme. 
Das Auftreten einer Hnngersnoth infolge einer schlechten Ernte steht bisweilen 
mit den socialen Verhältnißen, die in einem Lande herrschen, in keinem Zu 
sammenhange; aber auch nur bisweilen, denn meistentheils kann eine Hungers- 
noth trotz des schlechten Ausfalls der Ernte vermieden werden. Es lassen sich 
dreierlei Arten von Vorkehrungen dagegen treffen: 1. solche, welche die Miß 
raten durch Bewässerungs-, Trockenlegungs- u. dgl. Arbeiten und vor allem 
durch bie Erhaltung oder die neue Anpflanzung von Wäldern, welche die 
Übeln Einwirkungen der Trockenheit, der Ueberschwemmungen und schädlicher 
infecten verhindern oder wenigstens vermindern, fern zu halten suchen; 2. em- 
bşiehlt es sich, die Übeln Folgen der Mißernten dadurch abzuschwächen, daß 
man verschiedenartige Nutzpflanzen cultivirt, da es nicht wahrscheinlich ist, 
daß die Ernte in allen Culturgattungen gleichzeitig schlecht ausfallen wird, 
oder dadurch, daß man die verschiedenen Länder durch gute Communicationen 
miteinander in Verbindung setzt; denn es ist nicht anzunehmen, daß alle 
legenden zugleich von Mißernten heimgesucht werden, wie denn auch das 
Ansammeln von Vorräthen für die kommenden schlechten Jahre sehr räthlich ist; 
^ muß auch Fürsorge getroffen werden, daß die Nahrungsmittel in die Hände 
berjenigen gelangen, die derselben bedürfen. Wo immer infolge von Hungers- 
noth ernstliche Leiden eintreten, kann man voraussetzen, daß auf einem dieser 
^ei Gebiete der Vorsorge grobe Unterlassungssünden begangen worden sind. 
c ° waren die Hungersnöthe, welche den durch den Gelben Fluß in Nord 
en angerichteten Ueberschwemmungen folgten, wahrscheinlich durch Unter- 
offuugen der erstgenannten Art veranlaßt worden, die Hungersnoth hingegen, 
welche im Jahre 1866 an der indischen Oriffaküste ihre Verheerungen an 
úlete, erwies sich hauptsächlich als Folge von Mißgriffen der zweiten Art. 
5 waren keine Nahrungsmittelvorräthe vorhanden, und das Land konnte nur 
Mittelst eines einzigen Straßenznges erreicht werden, während die Annäherung 
ouf dem Wasserwege einen Theil des Jahres hindurch unmöglich war. So 
Nutzte beinahe eine Million Menschen dem Tode erliegen, bevor Nahrungs- 
^ìktel in genügender Menge herbeigebracht werden konnten. Tie Ausbreitung 
er Dampfschiffahrt und des Eisenbahnnetzes über alle civilisirten Gegenden 
^ alle Welttheile hat die Möglichkeit, daß Hungersnöthe aus derartigen 
künden entstehen, bedeutend eingeschränkt. Anders verhält es sich mit den 
^ Ursachen der dritten Art erwachsenden Nothständen. In Irland z. B. 
Mar zur g c it der großen Hungersnoth der Jahre 1845—184, der größere 
heil des Landes leicht zugänglich, und von den beiden dort hauptsächlich 
îkvas.Kämpf», Bolkswirtschaftķlkhre. 10
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.