Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Schutz der Textilindustrie. 497 
mischung lassen sich dann auch deutlich constatiren. Aber wie 
schwer ist es dabei, den Moment richtig zu treffen, von dem 
an die weitere Begünstigung der Stärksten diese nur zur 
Ausbeutung Anderer ermächtigt und zum Uebermuth reizt! 
Weit entfernt davon, alle Schutzzölle unbedingt zu ver- 
werfen, bin ich doch der Meinung, dass es kaum eine ge- 
werbe- und handelspolizeiliche Maassregel giebt, deren Segen 
mehr übertrieben ‚und die mehr im schädlichen Uebermaass 
angewendet worden ist als die Schutzzölle. Daran ändert 
Auch Nichts die Thatsache, dass die Schutzzölle vielfach mehr 
von anderen Sonderinteressen als von solchen, die nur das 
Allgemeine im Auge hatten, angegriffen und gestürzt wor- 
den sind. 
Einen wichtigen Beweis für diese Meinung liefert eben 
das England des 18. Jahrhunderts. Unverkennbar war da- 
mals schon die Masse der Schutzzölle mehr eine Chikane des 
Handels als eine Hülfe für die Industrie. Es ist bekannt, 
dass schliesslich Pitt durch mehr als 3000 Gesetze zur Ab- 
Schaffung alter Zölle das unübersehbare Zollwesen verein- 
lachen musste, was allein schon beweist, zu welchen Ueber- 
lreibungen man. gekommen war, indem man fortgesetzt allen 
Sonder-Egoismen nachgab. Besonders interessant ist auch zu 
sehen, wie sehr es Machtfrage war, welche Schutzzölle kamen 
oder blieben und welche nicht. Der gesammten Industrie ge- 
lang es nicht, die ihr schädlichen Kornzölle zum Falle zu 
bringen, aber der einen von Alters her mächtigen Tuchindustrie 
gelang es, die Wollausfuhrverbote zu halten. Wo sehen wir 
in solchen Einrichtungen einen einheitlich leitenden auf das 
esammtinteresse allein gerichteten Gedanken? 
$ 2. Handelspolitischer Schutz der Textil- 
industrie. 
Es kann nicht meine Absicht sein, all die Tausende von 
Schutzzöllen, die im 18. Jahrh, bestanden, die abgeschafft. 
armässigt, eingeführt und erhöht wurden, einzeln aufzuzählen. 
Held, Soc. Gesch. Engl. 29
	        
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