Full text: Die Arbeiterfrage

Hauer j Ich bin im Punkte Hoffnung sehr skep 
tisch. Selbstverständlich wünsche ich, das 
die naturnotwendige Evolution des ökono 
mischen Gesellschaftsprozesses sich recht 
I schnell in freiere Bahnen dränge, so 
schnell wenigstens, das meine Kinder 
Früchte pflückend das erlangen, was ich, 
ihr Vater ahnungsfroh mit pflanzen half. 
Vor allem aber, das sich auch das psycho 
logische Gesammtbild der Menschheit in 
ästetischer Hinsicht, der freiesten Men 
schenwürde entsprechend ausreihe. (2.) 
[B.R.] 
33 
33,— 
Berg 
mann 
34 3 18,— 
Berg 
mann 
Ich hätte den Wunsch daß mal die Zeit 
käme wo ich nicht als gewöhnlicher Berg 
arbeiter mein Leben frißten müßte. Denn 
ich weiß das ich als Arbeiter in der heuti 
gen Gesellschaftsordnung nicht als Mensch 
betrachtet werde. (3. t.) [B. R.] 
Derarte, daß ich meine Frau u. das alte 
stützungslose Mütterchen dereinst aus 
meinen Arbeitssoldersparnissen anständig 
begraben werden könnten. Denn bisher 
reicht uns garnicht mal dreimal in der 
Woche anständig auf solchen Verdienst 
zu essen. (3.) [B. Schles.] 
Ich hoffe u. wünsche, daß ich die Be 
freiung der Arbeiterschaft noch erlebe und 
daß meine Kinder so wie ich regen An- 
theil nehmen am Geschick des Volkes und 
218 
als tüchtige Gewerkschaftler u. Parteige 
nossen zu jeder Zeit u. an jeder Stelle 
Ihren Mann stehen. Und daß es mir ver 
gönnt sein möge an meinem Ende zu 
sagen. Nicht Geld u. Gut kann Ich Euch 
hinterlassen, aber eine gute u. edle Er 
ziehung. Ich habe am Zukunftsglück der 
Menschheit mitgearbeitet, jetzt übernehmt 
mein begonnenes Werk und bringt es zur 
Vollendung, (x.) [B. R.] 
Habe den sehnligsten Wunsch, daß die 
arbeitenden Massen aus ihrer Letargie auf 
geweckt werden möchten, um zu begrei 
fen, welchen Zweck ihr Dasein hat. So 
lange sie noch mit ihrer Ware „Arbeits 
kraft“ zu Markte gehen können, kommt 
den meisten der Gedanke nicht, daß es, 
so bald man dem Kapital nichts mehr 
nützt, bald anders wird. Aus diesem 
Grunde verachte ich alle Institute, in denen 
sie dem Arbeiter Genügsamkeit und Ent 
sagung predigen, wogegen gerade dem Ar- 
1 beiter das Recht zustehen müßte, in vollem 
Maße an den Segen der Kultur teilzuneh 
men. Da ich nun mehr berechtigte Hoff 
nungen als wie erfüllbare Wünsche habe, 
so bin ich fest davon überzeugt, daß es 
mit Hülfe des klassenbewußten Proletariats 
über kurz oder lang doch gelingen wird, 
die Lage der ums tägliche Brod ringenden 
Menscheit mehr und mehr zu bessern. (1.) 
[B.S.] 
219
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.