Full text : Die Arbeiterfrage

zogen  haben.  „Bin  nicht  ausgetreten,  aber  werde  es  in  nächster
Woche  oder  in  nächster  Zeit  tun.“  So  klingt  es  in  allen  Variationen ­
  immer  wieder.  Geradezu  wie  ein  Gefühl  der  Beschämung
zieht  les  durch  die  (Erhebungsformulare.  Eine  lebhafte  ^Korrespondenz ­
  wurde  darüber  geführt,  warum  die  Arbeiter  nicht  aus  der
Landeskirche  ausgetreten  sind.  Drei  Einwände  bilden  das  Charakteristikum. ­
  Erstens  aus  Rücksicht  auf  die  Kinder,  damit  sie
von  den  Pfaffen  Jn  der  Schule  nicht  drangsaliert  werden.  Zweitens ­
  weil  die  Frau  dagegen  ist  und  man  darum  den  häuslichen
Frieden  nicht  aufs  Spiel  setzen  möchte.  Drittens  weil  der  Aus-»
tritt  aus  der  Landeskirche  mit  Unkosten  verknüpft  ist.
Hin  und  wieder  wurde  auch  der  Einwand  geltend  gemacht,
daß  der  Arbeitgeber  religionslose  Arbeiter  nicht  dulde  und  Furcht
vor  Entlassung  der  Grund  sei.

1.  Glauben  Sie  an  den  lieben  Gott,  oder  sind  Sie  und  aus  welchen
Gründen  aus  der  Landeskirche  ausgetreten?

Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

Anzahl  der
Kinder

Jahre

20

—

Glaube  an  keinen  lieben  Gott,  höchstens  an  ein
höheres  wesen  und  von  Kirche  halt  ich  überhaupt
nichts  denn  was  Bibel  und  Pfaffe  lehren  nenne
ich  Quatsch  und  Verdummung.  (4.  t.)  [B.  R.]

21

Ja,  ich  glaube  an  Gott.  Hier  in  Oberschlesien  ist
es  unmöglich,  aus  der  Kirche  auszutreten.  (3.)
[B.  Schl.]

22

—

an  einen  Got  glaub  ich  und  bin  bestrebt  für  Ihn
eine  Wohnung  ihn  mir  Selbst  zubereiten  (4.)

326

[B.  Schl.]

0)
<
Jahre

Anzahl  der
Kinder

23

—

Ich  glaube  an  den  lieben  Gott.  (4.  t.)  [B.  Schl.]

24

Ja.  aus  der  Kirch  bin  Ich  ausgetreten  weill  in  der
Kirche  die  Wirtsschaftliche  läge  mit  Füßen  getreten
wird,  und  daher  kann  man  an  keinen  Gott  glauben.
(3.)  [B.R.]

25

1

Ich  glaube  nicht  daran,  und  nur  Rücksichten  auf
die  Familie  halten  mich  vom  Austritt  zurück.  (3-t.)
[B.R.]

25

—

Von  dem  kirchlichen  Dogmenglauben  halte  ich
nichts,  sondern  lebe  nach  dem  Grundsatz:  „Edel
sei  der  Mensch,  hilfreich  und  gut.“  (2.)  [B.  R.]

26

2

Ich  werde  aus  die  Kirche  austreten,  wenn  ich  meine
Frau  werde  umstimmen  können.  (3.)  [B.  S.]

26

2

In  der  Sache  bin  ich  noch  nicht  richtig  aufge^
klärt.  (3.)  [B.  S.]

27

1

Ja  auf  den  Lieben  Gott  Glaube  ich  und  in  die
Kirche  gehe  ich  auch  aber  nur  auf  die  Heiliege
Messe  und  Höre  ich  auch  Evangelium,  aber  auf
Prediegt  da  Höre  ich  nicht,  den  ich  habe  Sie  Schon
Sat  die  Barmherziege  Brüder,  den  wier  arme  Arbeiter ­
  wier  verdienen  den  nidriegen  Lohn,  aber  die
die  wohlen  Ja  die  armen  nie  begraben  wen  man
ihm  am  kleinsten  30  M.  nicht  in  die  Tasche  Reihnsteckt.
  (3-)  [B.  Schl.]

27

1

Ich  bin  zwar  katholisch,  habe  aber  die  Gesinnung
eines  Freidenkers,  kann  aber  nicht  austreten,  weil
meinem  Kinde  Nachteile  dadurch  entstehen  würden.
(3.  t.)  [B.  S.]

327
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.