Contents: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

Dementieren macht man sich lustig, was man bei 
Morgan senior nicht gewagt hätte. Als er z. B. zur Zeit 
der Sachverständigenberatungen für die Durchführung 
des Dawes-Plans in London nach England abreiste, 
meldeten die Zeitungen: „Natürlich behauptet Morgan, 
daß seine Reise nicht mit den Sachverständigen- 
beratungen zusammenhängt.‘ Dabei wußte alle Welt, 
daß bereits ein Vertreter Morgans in London war und 
seine Interessen dort wahrnahm und daß das Gut- 
achten der amerikanischen Bankiers eine große Rolle 
bei all den auf der Londoner Konferenz behandelten 
Fragen gespielt hatte. 
Gemeinsam ist Vater und Sohn auch die Verach- 
tung gegen die gerade herrschende Mode. Als die 
Equipage schon längst ein überwundener Standpunkt 
war und jeder, der etwas auf sich hielt, ein Auto be- 
saß, fuhr der ältere Morgan immer noch mit Pferd und 
Wagen ins Büro, ja sogar in Mietdroschken. Bei dem 
jüngeren Morgan zeigt sich diese Eigenwilligkeit darin, 
daß er die allgemeine Mode des Glattrasiertseins nicht 
mitmacht, sondern einen kleinen Spitzbart trägt. Das 
sind an und für sich Kleinigkeiten, doch nicht un- 
wichtig für die Beurteilung der Persönlichkeit. 
Daß er andererseits eine so mächtige Persönlich- 
keit wie sein Vater nicht ist, wurde bereits weiter 
oben erwähnt, Weder die großen noch die kleinen 
Kapitalisten leisten ihm so unbedingte Gefolgschaft 
wie jenem. Das zeigte sich zum Beispiel bei der Auf- 
legung der ersten Anleihe Englands und Frankreichs 
im Weltkrieg. Morgan hatte Pläne für eine Anleihe 
von einer Milliarde Dollar, die durch ein unter seiner 
Führung stehendes Konsortium begeben werden sollte, 
ausgearbeitet, Aber die großen Banken taten einfach 
nicht mit. Den Schaden hatten allerdings schließlich 
— abgesehen von England und Frankreich — sie selbst 
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