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geben zur Evidenz die Tragik des Denkens inmitten des mo
dernen Arbeitsprozesses, ganz besonders unter den Bergarbei
tern. „Ich frage mich oftmals,“ schreibt ein Steiger, „ist das
Denken Wohltat, oder ist es Plage für das arbeitende Volk?
Man teilt die Arbeiter sozusagen in zwei Stücke, wovon sich
die eine sozusagen wie ein Wurm in niedriger Frohn windet,
die andere sucht sich vergebens Schwingen zu verleihen, um
aus dem Labyrinth von Jammer und Elend herauszukommen.
Ich betrete den Förderkorb gewöhnlich mit dem Gedanken, den
Dante über die Hölle schrieb.“
Ein Dritter: „Das Denken ist in meinem Milieu „Leiden“,
weil ich durch das Denken eben weiß, wie elend und unglück
lich ich bin. Läge noch der Fluch der Unwissenheit über mei
nem geistigen Auge, wahrhaftig, mein Herz fühlte nur halb
so sehr dies Wehe des irdischen Leids.“ Dieser Bergmann
schildert auch weiter recht drastisch jene Schicht Glücklicher,
die bereits inmitten der berufsmäßigen Arbeit geistig erstickt
wurden. „Ich sprach von der Poesie zu ihnen. Man lächelte,
und wenn ich mich vergrub in die Schauertiefen melodischer
Harmonien und wenn ihnen mein vergeistigtes Auge die pak-
kende Wucht des Empfundenen darbot, es ihnen hingab in
stummer Lust, in hartem Weh, dann lachten sie schrill mir
ins Gesicht. Sie wissen nicht, wie schimpflich ihr Menschen
tum.“
Ein Kohlenhauer: „Der Geist wird bei dieser ewig-trau
rigen Einerlei-Arb eit vollständig abgetötet, so daß man es zu
einem besonderen Gedanken nicht bringen kann. Vor sechs
Jahren schrieb ich in mein Tagebuch. Mein Flug ging zu den
Sternen auf, im Sumpf muß ich verschmachten.“ „In dem
rauhen Getriebe der Arbeit“, äußert sich ein Bergmann, „kann
man nicht denken. Eine rauhe Arbeit wird immer ein rauhes
Wesen erfordern. Was will ich mit schönen Gedanken unter
einem Kreis robuster Gesellen anfangen, wo nur Gemeinheiten
ausgetauscht werden ?“
Die berufsmäßige Arbeit unter Tage mit einem zweifellos
vorhandenen mystischen Einschlag trägt die Gedankenreihen
schon an und für sich in pessimistische Bahnen. Wie schon
angedeutet wurde, ergaben dagegen die Untersuchungen unter
den Textilarbeitern, daß durch die entseelte Form der modernen