Full text : Die Arbeiterfrage

derselben  Stelle  im  Raum,  besteht  aus  zahllosen  Körpern.  Diese
Körper  laufen  in  ein,  zwei  oder  mehr  Ringen  um  einen  großen
Zentralkörper,  den  Anker  des  Universum.  Er  allein  dreht  sich
nur  um  sich  selbst.  Und  zwar  muß  er  dieses  tun,  weil  die  Masse
der  Ringe  größer  ist  als  er,  im  Gegensatz  zum  Saturn.  Unser
Universum  hat  zwei  Ringe:  Sternenhimmel,  Milchstraße.  Beide
Ringe  sind  aus  großen  Katastrophen  entstanden.  Katastrophen
sind  die  Geburt  und  das  Lebenselement  eines  Universums.  Aber
nicht  nur  äußerlich,  auch  innerlich  ist  das  Universum  ein  Ring.
Ein  merkwürdiger  Philosoph  am  Webstuhl.  Seine  Epistel  beginnt ­
  er  mit  einem  Fragezeichen.  —  Anfang!  Der  Schluß
ist  aber  wieder  dieser  Anfang.  Wir  durchlaufen  nur  einen  Ring.
Ein  Arbeiter  am  Selfaktor  schreibt:  „Ich  mach  nicht  nur
Sprüche  am  Selfaktor,  sondern  klobe  auch  die  scheensten  Reime,
wen  ein  Tyran  gemorks  worden  ist,  wenn  eine  Königsfamilie
geschossen  worden  ist,  so  wie  man  Rehbecke  knallt.“
Noch  eine  besonders  charakteristische  Antwort  eines  Förster ­
  Webers:  „Das  immerwährende  Einerlei  der  Beschäftigung
kann  mich  nicht  anöden,  weil  ich  gerade  dadurch  Zeit  )zum
Nachdenken  gewinne.  Die  Hände  und  Augen  sind  beschäftigt,
der  Kopf  wird  frei.  Die  ewig  gleichmäßigen  Bewegungen  der
Maschine  tangieren  mich  nicht  im  mindesten,  weil  sie  längst
zur  absoluten  Selbstverständlichkeit  geworden  sind.  Wie  selbstverständlich ­
  besorgen  die  Hände  das  Einlegen  neuer  Spulen  in
die  Webschützen  an  Stelle  der  abgelaufenen,  während  die  Augen
immerfort  das  werdende  Produkt  überwachen,  indessen  das  geistige ­
  Auge  längst  andere  Dinge  sieht.“
Die  Grundstimmung  der  Textilarbeiter  liegt,  im  Gegensatz
zu  den  Bergarbeitern,  in  mehr  optimistischer  Richtung.  Beinahe
scheint  es,  als  ob  die  Beschäftigung  am  mechanischen  Webstuhl ­
  einen  chronischen  Hang  zur  Poesie  begünstige.  Nicht
weniger  als  817  Gedichte  als  Nebenprodukte  der  Untersuchungen
unter  den  Textilarbeitern  liefen  ein.
Während  die  Untersuchungen  unter  den  Textilarbeitern  vielfach ­
  auf  eine  eigen  geartete  Seelenkultur  hinwiesen,  hervorgerufen ­
  vielleicht  durch  die  Verbindungen  des  Denkens  und  der
Rhythmisierung  der  Arbeit  durch  die  Webstühle,  konnten  bei
den  Metallarbeitern  mit  ihrer  die  Aufmerksamkeit  mehr  in  Anspruch ­
  nehmenden  Arbeit  etwas  Gleichartiges  nicht  so  oft  kon-106

            
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