Sechstes Kapitel.
Die isolierte Wirtschaft.
I.
Die Entwicklung der Wirtschaftsorganisation wird durch
den Umfang der sozialen Organisation der Produktivkräfte
bedingt. Der Mensch ist ein „gesellschaftliches Tier“, und es ist
uns kein Zustand der Wirtschaft bekannt, wo der Mensch ganz
allein lebte. Schon auf den ersten, primitivsten Kulturstufen, als
von einer Wirtschaft im engen Sinne dieses Wortes noch gar
keine Rede sein konnte, lebte der Mensch in kleinen Gruppen.
Diese ursprüngliche Gruppe, die sich Lebensmittel verschafft,
stellt schon eine gewisse Organisation der Produktivkräfte dar.
„Auf dieser untersten Stufe der Entwickelung leben die Menschen
meist noch ganz zerstreut und vereinzelt, d. h. nur in
Familien, nicht in Horden, beisammen.“*) „Die Wogule
n,“ erzählt Pallas („Reise durch verschiedene Provinzen des
russischen Reiches“, St.-P. 1771—76, Bd. II, S. 257, zitiert bei
Hildebrand, a. a. O., S. 2), „wohnen in ihren Wäldern gemeiniglich
nur in Familien oder Verwandtschaften zusammen.
Weil sie keinen anderen Lebensunterhalt als die Jagd
haben, so treibt sie die Notdurft, soweit sie nur können, voneinander
getrennt und nicht in Dorfschaften zu wohnen, welche in
der Nähe nicht Wild genug finden würden, um sich zu ernähren.“
Ebenso berichtet Baily über die Veddahs (angeführt bei Hildebrand,
ebenda): „The Nigala Veddahs are distributed through
their lovely country in small septs of families.“ „Unter den auf
der niedrigsten Stufe stehenden Wilden,“ sagt Ed. Westermarck
(The history of human marriage, London 1901, S. 538; deutsche
Übersetzung, Jena 1893, S. 539), „gibt es noch jetzt Völker-*)
R. Hildebrand, Recht und Sitten auf den verschiedenen wirtschaftlichen
Kulturstufen, Jena 1896, I. Teil, S. 1—2.