Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

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Das Bestreben nach Kraftersparnis reguliert die Tätigkeit 
jedes wirtschaftenden Subjekts. Dieses Bestreben äußert sich 
in einer isolierten Wirtschaft vor allem darin, daß der 
Arbeitsaufwand, der gemacht wird, um gewisse Produkte 
hervorzubringen, und die Bedürfnisdeckung in einem gewissen 
Verhältnis zueinander stehen. Die Mitglieder der Familie 
haben verschiedene Bedürfnisse: Nahrungs-, Wohnungsbedürf 
nisse usw. Die Wirtschaft darf daher nicht all ihre Kräfte auf 
die Hervorbringung von Produkten verwenden, die nur ein Be 
dürfnis decken können. Wenn sie beispielsweise nur Häuser 
baute oder nur Kleider anfertigte, so müßten die Mitglieder der 
Wirtschaft verhungern. Es muß daher ein bestimmtes Verhält 
nis in der Produktion von Nahrungsmitteln, von Kleidung usw. 
eingehalten werden. 
Dieses Verhältnis zwischen Arbeitsaufwand und Bedürfnis 
deckung hängt von der Dringlichkeit des Bedürfnisses einerseits 
und von der Arbeitsproduktivität andererseits ab. 
Nehmen wir ein Beispiel. Sagen wir, daß zur Befriedigung 
der Nahrungsbedürfnisse einer Familie 100 Arbeitstage im Jahre 
notwendig sind, zu der des Kleidungsbedürfnisses 50, zu der des 
Wohnungsbedürfnisses ebenfalls 50 Tage; 100 weitere Tage 
braucht man für die Herstellung von Produktionsmitteln (so bei 
spielsweise für die Ernährung eines Pferdes, die Herstellung von 
Werkzeugen usw.), und 100 Tage bleiben noch zur Befriedigung 
der Kulturbedürfnisse. Insgesamt also arbeitet die Familie 400 
Tage im Jahre. Es ist klar, daß einige Bedürfnisse dabei nicht 
voll befriedigt werden können und daß die dringlichsten am 
besten gedeckt werden. Steigt aber die Arbeitsproduktivität in 
der Wirtschaft so, daß sie in 75 Tagen statt 100 ihre Nahrungs 
bedürfnisse decken kann, so bleibt ihr mehr Zeit für die Her 
stellung von anderen Produkten übrig, und die anderen Bedürf 
nisse werden besser befriedigt, oder es treten neue Bedürf 
nisse auf. 
Jedes Bedürfnis kann auf verschiedene Art gedeckt werden.
	        
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