Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

95

fordert  der  Mais  in  Südrußland  dank  den  klimatischen  Verhältnissen ­
  viel  weniger  Arbeit  als  in  Mittelrußland,  wo  Mais  nur  in
den  Gärten  kultiviert  werden  kann.  Daher  kann  der  Mais  im
Süden  die  Stelle  des  Roggens  einnehmen,  und  zwar  nicht  nur
nach  dem  Arbeitsaufwand  auf  seine  Produktion,  sondern  auch
nach  dem  Umfang  des  Konsums,  während  er  im  Zentrum  nur  als
Surrogat,  als  Gemüse  gebraucht  wird.  In  Japan  oder  in  China
ist  der  Reis  das  verbreitetste  Produkt,  weil  er  mit  dem  verhältnismäßig ­
  geringsten  Arbeitsaufwand  gewonnen  werden  kann.  Folglich ­
  bestimmt  die  Arbeitsproduktivität,  mit  der  ein  Produkt  erzeugt ­
  wird,  den  Umfang  des  Verbrauchs  dieses  Produkts  durch
die  Wirtschaften.
Der  Verbrauchswert  eines  Gutes  ändert  sich  stets  je  nach  der
Dringlichkeit  des  Bedürfnisses  in  einem  gewissen  Zeitpunkte.  Der
relative  Arbeitswert  ist  dagegen  eine  mehr  oder  weniger  konstante
Grösse  und  ändert  sich  nur  mit  der  Veränderung  der  Arbeitsproduktivität ­
  in  der  Produktion.  Die  Dringlichkeit  des  Bedürfnisses ­
  nach  einem  Gute  bestimmt  noch  nicht  seinen  relativen
Wert.  Das  Bedürfnis  nach  Wasser  kann  bei  einem  Menschen
nicht  minder  dringlich  sein,  als  das  Nahrungs-,  Wohnungs-  und
Kleidungsbedürfnis.  Da  aber  keine  oder  nur  wenig  Arbeit  notwendig ­
  ist,  um  Wasser  zu  erhalten,  so  ist  der  relative  Wert  des
Wassers  für  eine  Wirstchaft  sehr  gering  oder  gleich  Null  und
wird  als  Wirtschaftsausgabe  nicht  in  Betracht  gezogen.  Eine
Wirtschaft  wird  keine  Gegenstände,  die  die  minder  wichtigen  Bedürfnisse ­
  befriedigen,  zu  deren  Erzeugung  aber  Arbeit  notwendig
ist,  gegen  Wasser  austauschen,  das  ohne  jede  Mühe  erlangt  werden ­
  kann,  obgleich  der  Gebrauchswert  des  Wassers  sehr  hoch
ist.  Obwohl  also  die  Dringlichkeit  der  Bedürfnisse  nach  einzelnen ­
  Produkten  auf  die  Verteilung  der  Produktivkräfte  in  der
Wirtschaft  unter  verschiedenen  Produktionssphären  einwirkt,
wird  diese  Verteilung  in  letzter  Linie  durch  die  Arbeitsproduktivität ­
  in  jeder  einzelnen  Produktionssphäre  bedingt.  Die  Verbesserung ­
  der  Produktionsmittel  erhöht  die  Arbeitsproduktivität.
Der  technische  Fortschritt  in  irgend  einer  Arbeitssphäre  gestattet
der  Wirtschaft,  hier  an  Arbeit  zu  sparen  und  andere  Bedürfnisse
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.