Object: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die Gruppe der Geschäftsmänner 
In ihrer Wirksamkeit können die ökonomischen 
gehemmt werden : einmal, indem bei einer Erscheinung Gesetze 
anderer Ordnung mitwirken und die spezifische Wirkung der 
wirtschaftlichen Gesetze modifizieren oder neutralisieren *) ; dann 
aber finden sie auch mehr oder weniger Widerstand in den 
verschiedenen kulturellen Milieus 2 ). Weil sie nicht immer und 
in jedem Milieu durchdringen, haben die ökonomischen Gesetze 
nicht den Charakter von Dogmen 3 ). 
Eine Hauptaufgabe der Wissenschaft besteht darin, die 
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Zwecke auslauten, daß die Gesellschaft von einem Teile des Überflusses ein 
zelner Nutzen habe.“ Traité, Bd. IV, p. 673. Übrigens entkräftet Ļeroy- 
Beaulieu selbst den Vorwurf, den er gegen seine Vorgänger erhebt, nur den 
Eigennutz als Triebfeder des menschlichen Handelns gekannt zu haben (Traité, 
ibid.), wenn er an einer anderen Stelle schreibt: „Das Prinzip des Eigeninteresses 
und das des Altruismus sind nicht unvereinbar : das eine leitet den Menschen 
bei seiner wirtschaftlichen Tätigkeit, das andere kann ihn bei der Verwendung 
seines Besitzes und seines Einkommens leiten.“ Traité, Bd. I, p. 76. 
]) „Es verhält sich mit den ökonomischen Gesetzen wie mit denen jeder 
andern Wissenschaft, wie z. B. mit den Gesetzen der Mechanik; sie wirken 
nicht allein in den Erscheinungen. Häufig werden sie durch Gesetze einer an 
dern Ordnung modifiziert, gehemmt, ja manchmal annulliert . . . Nur in den 
ganz einfachen Erscheinungen zeigt sich deutlich die Wirksamkeit der wirtschaft 
lichen Gesetze.“ Traité, Bd. I, p. 36. 
Ļ) „Es gibt soziale Milieus, welche der Wirksamkeit der ökonomischen 
Gesetze nicht mehr Widerstand entgegensetzen, als die Luft dem Fallen der 
Körper; es gibt aber auch andere, welche sich diesen Gesetzen gegenüber ver 
halten wie Wasser oder Quecksilber dem Fallen der Körper gegenüber.“ Traité, 
Bd. I, p. 40—41. Dem Einwand, daß die liberale Wirtschaftslehre nur einer 
bestimmten Entwicklungsstufe der Wirtschaftsgeschichte entspreche, tritt Leroy- 
Beaulieu mit diesem Gedanken von der differenziellen Empfindlichkeit der ver 
schiedenen Kulturstufen für die wirtschaftlichen Gesetze entgegen. „Es ist nicht 
richtig . . . daß die (liberale) Nationalökonomie nur eine vielleicht vorüber 
gehende Phase der menschlichen Gesellschaften beobachtet, daß sie Gefühle 
modernen Ursprungs für ewig dagewesene hält, daß sie, nach Lassalles Aus 
druck, eine flüchtige, historische Kategorie für die ganze Geschichte der Ver 
gangenheit, das ganze Schicksal der Zukunft ansieht. . . . Die ökonomischen 
Gesetze haben Geltung gehabt auf allen Stufen der menschlichen Entwicklung; 
und wenn nicht alle sozialen Entwicklungsstufen für die wirtschaftlichen Trieb 
federn gleich durchdringlich sind, so ist doch keine von ihnen völlig unberührt 
davon geblieben. . . . Die Empfindlichkeit des menschlichen Milieus für die wirt 
schaftlichen Gesetze steht in direktem Verhältnis zu dem Grade der Entwicklung 
dieser Milieus, zur intellektuellen und sittlichen Vervollkommnung der Menschen, 
welche dasselbe ausmachen.“ Traité, Bd. I, p. 93—94; vgl. auch p. 57 ff. 
3 ) Traité, Bd. I, p. 37.
	        
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