Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

231

nur  extensiv  bewirtschaften.  Aber  auch  bei  dieser  Wirtschaftsweise ­
  wäre  es  unmöglich,  diese  Aufgabe  ohne  verbesserte  Technik
zu  bewältigen.  Auch  Rußland  hat  eine  extensive  Kultur.  Da  aber
hier  die  landwirtschaftliche  Technik  sehr  mangelhaft  ist,  so  erfordert ­
  die  Bestellung  des  Bodens  einen  gewaltigen  Prozentsatz
der  Bevölkerung.  Eine  hochstehende  Technik  ist  notwendig,
um  mittels  einer  relativ  geringeren  Anzahl  von  Arbeitskräften
diese  gewaltigen  Felder  zu  bestellen.  Dank  den  besseren
Werkzeugen  bebaut  ein  amerikanischer  Landarbeiter  eine
viel  größere  Fläche  als  der  russiche  Bauer,  der  nur  primitive
Werkzeuge  benutzt.  Andererseits  ist  die  von  einem  amerikanischen ­
  Arbeiter  bestellte  Fläche  dank  der  extensiven  Betriebsweise ­
  größer  als  die,  die  ein  europäischer  Arbeiter  bebaut.  Rußland ­
  hat  eine  extensive  Kultur,  aber  eine  primitive  Technik;  Westeuropa ­
  dagegen  bessere  Technik,  aber  intensive  Kultur.  Die  Vereinigten ­
  Staaten  haben  beide  Bedingungen  der  hohen  Arbeitsproduktivität: ­
  vervollkommnete  Technik  und  extensive  Kultur.  Daher ­
  können  sie  nicht  nur  den  eigenen,  sondern  auch  die  auswärtigen ­
  Märkte  mit  Getreide  versorgen.
Betrachten  wir  die  Verteilung  der  Produktivkräfte  jedes  Landes ­
  im  Verhältnis  zum  Territorium,  so  tritt  die  allgemeine  Entwicklungstendenz ­
  der  Volks-  und  Weltwirtschaft  noch  deutlicher
hervor.
In  den  kapitalistischen  Ländern  Westeuropas,  die  eine  dichtere
Bevölkerung  als  die  Vereinigten  Staaten  haben,  aber  den
gleichen  Prozentsatz  der  Erwerbstätigen  in  der  Landwirtschaft ­
  aufweisen,  entfallen  auf  eine  Einheit  der  Bodenfläche  um
einigemal  mehr  Arbeiter,  als  in  den  Vereinigten  Staaten.  Mit
der  Zunahme  der  Bevölkerung  stieg  in  Europa  die  Zahl  der  in  der
Landwirtschaft  beschäftigten  Arbeitskräfte  im  Verhältnis  zur
Bodenfläche.  Nur  die  transozeanische  Konkurrenz,  die  die  Getreidepreise ­
  herabdrückte,  hielt  diese  Entwicklung  auf  und  führte
gleichzeitig  zur  steigenden  Getreideeinfuhr.  Trotzdem  also  die  europäischen ­
  Völker  viel  mehr  Arbeit  auf  die  Flächeneinheit  aufwenden,
  müssen  sie  Getreide  von  auswärts  kaufen.
Dagegen  übersteigt  die  Produktion  und  die  Ausfuhr  von  Ge-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.