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treidearten in den Vereinigten Staaten auf 980 Millionen
Meter-Ztr., während Deutschland in dem gleichen Jahre
eine Ernte von 253,4 Millionen Meter-Ztr. hatte. Die Vereinigten
Staaten produzierten hiermit das Vierfache der Getreideproduktion
Deutschlands, während die landwirtschaftliche
Bevölkerung Amerikas die Deutschlands nur um 20—30 Proz.
übersteigt. Die Produktivität der landwirtschaftlichen Arbeit ist
folglich in den Vereinigten Staaten rascher gestiegen als in
Deutschland. Allerdings betrug 1907 die Kartoffelernte in
Deutschland 455,4 Millionen Meter-Ztr., in den Vereinigten Staaten
dagegen bloß 82 Millionen Meter-Ztr. Dafür aber ist die
Viehzucht in Amerika bei weitem bedeutender als in Deutschland.
Außerdem ist noch die kolossale Baumwollproduktion in Betracht
zu ziehen. Nach Issajeff*) kamen in den Jahren 1893—1895 in
den Vereinigten Staaten 650 Bushels Getreide auf einen Arbeiter,
in Deutschland dagegen nur 72 Bushels. Folglich ist die Arbeitsproduktivität
in Amerika neunmal so hoch wie in Deutschland.
Die gewöhnliche Erklärung der Konkurrenzfähigkeit der neuen
Länder ist die: in den neubevölkerten Gegenden wird die natürliche
Fruchtbarkeit des Bodens ausgebeutet. Dank diesem Umstande
ist man in der Lage, Getreide billiger zu verkaufen. Dadurch
üben diese Gegenden einen Druck auf die europäische Landwirtschaft
aus: es sinkt die Grundrente, und die europäischen
Landwirte sind außerstande, eine intensive Wirtschaft zu führen.
Soweit mir bekannt, ist diese Ansicht noch von niemandem
bestritten worden. Ist dem aber wirklich so? Unterscheidet sich der
Boden Amerikas oder Australiens von dem Europas durch natürliche
Vorteile? Mit andern Worten: Könnte man auf den Feldern
Englands, wenn sie ebenso unbearbeitet blieben, wie die in Argentinien
oder den westlichen Staaten von Nordamerika, eine
primitive Viehzucht mit ebensolchem Erfolge und geringen Aufwänden
betreiben, wie es in Gegenden mit primitiver Kultur der
Fall ist? Die Antwort muß entschieden bejahend sein. Die natürliche
Fruchtbarkeit des Bodens ist in England höher als die
') Weltwirtschaft, S. 42.