Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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des  Bodens  in  den  transkaspischen  Gegenden  Rußlands,  wo  noch
eine  primitive  Viehzuchtwirtschaft  billiges  Vieh  liefert.
Gewöhnlich  haben  europäische  Nationalökonomen,  die  die
Agrarverhältnisse  von  Amerika  und  Rußland  behandeln,  keine
richtige  Vorstellung  von  den  Wirtschaftsbedingungen  in  diesen
Ländern.  Es  wird  angenommen,  daß  hier  der  Boden  besondere
Eigenschaften  besitze,  keine  Düngung  und  keinen  Fruchtwechsel
notwendig  habe,  daß  das  Vieh  keine  Stallfütterung  bedürfe.  Selbstverständlich ­
  ist  dem  nicht  so.  Im  Gouvernement  Orenburg  erhält
man  auf  nicht  gedüngten  Feldern  schon  seit  Jahrhunderten  gleichbleibende ­
  Weizenernten,  weil  dort  vorläufig  noch  eine  rationelle ­
  extensive  Wirtschaft  betrieben  wird.  Würde  man
düngen,  so  würde  der  Boden  eine  höhere  Ernte  tragen,  aber  bei
den  niedrigen  Getreidepreisen  und  der  dünnen  Bevölkerung  sind
weitere  Aufwände  unrentabel.
Es  wird  dort  eine  wilde  Feldgras  Wirtschaft  getrieben.  Wenngleich ­
  die  Ernten  niedriger  sind,  sind  doch  auch  die  Arbeitsaufwände ­
  geringer  als  in  Europa.  Bevor  in  Orenburg  eine  Eisenbahn
gebaut  wurde,  kostete  dort  ein  Pud  Weizen  20—30  Kopeken,  während ­
  sich  im  europäischen  Rußland  der  Weizenpreis  auf  80  Kop.
bis  einen  Rubel  stellte,  obgleich  der  Arbeitslohn  in  Orenburg  höher
war.  Ebenso  braucht  man  zur  Fütterung  des  Viehes  keine  Futterpflanzen ­
  zu  bauen,  wenn  natürliche  Wiesen  noch  genügend  vorhanden ­
  sind.  Der  ganze  Grund  und  Boden  ist  in  Anspruch  genommen, ­
  aber  infolge  des  verhältnismäßigen  Reichtums  an  Boden
kann  die  Grundrente  nicht  steigen:  sie  ist  äußerst  gering.  Vor  der
Eisenbahnverbindung  war  der  Pachtzins  15—30  Kopeken  pro
Deßjätine.  In  der  Richtung  von  der  östlichen  Grenze  Rußlands
nach  dem  Zentrum,  kann  man  eine  Steigerung  der  Intensität  in  der
Kultur  und  parallel  auch  eine  Erhöhung  der  Getreidepreise  konstatieren. ­
  Die  Felder  gleicher  Qualität  werden  gedüngt,  weil  es
vorteilhaft  wird:  zur  Viehfütterung  wird  Gras  gesät  usw.  Es  ist
einleuchtend,  daß  bei  einer  extensiven  Kultur  auch  zur  Viehzucht
geringerer  Arbeitsaufwand  notwendig  ist,  als  bei  Stallfütterung.
Wenn  man  die  Felder  in  England,  Belgien  und  Deutschland
brach  liegen  ließe  und  sie  als  Weide  oder  Wiese  benutzte,  so
            
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