Metadata: Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher Überblick 
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Bastiats Wertlehre enthält zwei Widersprüche: erstens 
führt er die Rente, zu deren Negierung er unendlich viel Mühe 
und Scharfsinn vergeudet, durch eine Hintertüre wieder ein. 
Die Anerkennung des Milieus als wertbestimmenden Faktors be 
sagt die Anerkennung des Wertcharakters von Brauchbarkeiten, 
welche das Milieu, nicht aber menschliche Arbeit schafft, mit 
hin die Existenz der Rente. Zweitens widerspricht es Bastiats 
Gerechtigkeitspostulat, dass zwei in Qualität und Intensität 
gleichwertige Arbeitsleistungen verschieden entlohnt werden 
können, sei es infolge von Verschiedenheiten in der Kaufkraft 
des Milieus, sei es, weil die Schätzung, welche zwei Käufer von 
der ihnen durch die Produkte jener Arbeitsleistungen ersparten 
Arbeit machen, verschieden ausfällt. Diesen Widerspruch hat 
Bas ti at selbst erkannt. Er begegnet ihm folgendermaßen: 
„In einer Wirtschaftsordnung, welche auf Verkehrsfreiheit be 
ruht, geschehen die Austauschakte auf der Basis der Verhältnis 
mäßigkeit der Anstrengungen; der Wert hat in einer solchen 
die zunehmende Tendenz, sich ausschließlich an der Arbeit zu 
messen, der Lohn, sich zum Verdienst ins Verhältnis zu setzen, 
die geleistete Arbeit, der ersparten gleich zu kommen 1 ). u 
Die Konkurrenz also, der mächtigste, Harmonie erzeugende 
Faktor des Wirtschaftslebens, ist es, welche auch in der anschei 
nend die Ungerechtigkeit sanktionierenden Wertlehre den 
Schluß auf die Gerechtigkeit ermöglichen soll. Ist aber die 
Harmonie mit dem Gerechtigkeitspostulat hergestellt, so er 
öffnen sich sofort weitere harmonische Ausblicke : die freie 
Konkurrenz bewirkt, daß jede Erfindung, jede Vervollkomm 
nung eines Arbeitsprozesses, jeder technische Fortschritt Allge 
meingut der Menschheit wird, mit andern Worten, daß ein 
stetig wachsender Teil der zur Produktion erforderlichen Arbeits 
leistungen von Menschen auf die Naturkräfte abgewälzt wird, 
daß also der Prozentsatz der unentgeltlichen Brauchbarkeiten 
fortwährend im Verhältnis zu dem der onerosen steigt, daß das 
Gemeingut aller auf Kosten des Privateigentums fortwährend 
zunimmt. „Kommunisten,“ ruft Bastiat aus, „ihr träumt die 
Gütergemeinschaft. Aber seht, sie besteht ja schon! Die soziale 
] ) Bastiat, Oeuvres, Bd. VI, p. 336, 351. 
de Waha, Die Nationalökonomie in Frankreich. 
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