fullscreen: Vieh und Fleisch in der deutschen Kriegswirtschaft

außer beim viehreichen ländlichen Bezirke, der sich selbst versorgt 
in den Städten nur zwei Möglichkeiten. 
Die eine ist die c i g e ne N i c h h a l t u n g. Für sie kommen 
insbesondere städtische Güter in Frage, wie sie die meisten deutschen 
Großstädte besitzen. Städtisches Vieh wird den Kommunen in An 
rechnung ans ihre Schlachtungszisfer belassen. Nur pflegen die 
Mengen aus eigener Viehwirtschaft im Vergleich zum Bedarf nicht er 
heblich zu sein. Viele Städte haben im Kriege dem mindestens hin 
sichtlich der Schweine abzuhelfen gesucht und mehr oder weniger große 
Schweinemnstanstalten angelegt. Hierzu führte sie nicht nur der 
Fleischbedarf, sondern auch die Überlegung, daß in den Großstädten 
unendliche Futterwerte, nämlich die städtischen K ü ch e n a b f ä l l e, 
in den Müll und die Asche zu wandern und dort nutzlos zu verfaulen 
pflegen. Allein mit den Küchenabfällen der städtischen Kranken- und 
dcrgl. Anstalten, Massenspeisungen usw. konnten meistens beträchtliche 
Mengen von Schweinen gemästet werden. Das ließ sich steigern 
durch Sammlung der Küchenabfälle aus den Privathäusern, die heute 
teils im Wege freiwilliger Sammelorganisation, teils auf Grund 
besonderer Polizeiverordnungen häufig betrieben wird. Auch in den 
Beseitigungsanstalten (Kadaver-Verwertungsanstalten, Abdeckereien) 
der Städte werden hochwertige Fleischfnttermehle zu Mastzwecken 
"zeugt. 
Die andere Möglichkeit städtischer Viehzufuhr böten die so 
genannten S ch w eine m a st v e r t r ä g e. Der Staat verteilt das 
shm zur Verfügung stehende beschlagnahmte Mastfutter durch be- 
wudere Mästungsorganisationen, indem er diese gegen Hergäbe von 
Futter mit Viehhaltern besondere Mästungsverträge abschließen 
"ißt. Hiermit wurden und werden vorweg und in der Hauptsache 
oie Schweine für den Heeresbedarf sichergestellt. Es sind aber auch 
den Städten Lieferungen solcher Vertragsschweine zugeführt worden, 
solange genügendes Futter vorhanden war, was seit einiger Zeit (ge 
schrieben im Juli 1917) nicht mehr der Fall ist. Die Städte selbst 
haben ihrerseits eigene Futtermittel verwendet, um mit Organisa 
tionen ober Meistern solche Schweinelieferungsverträge zu schließen. 
Die Lieferung der Tiere konnte für die Städte aus naheliegenden 
Gründen keine Vermehrung der Biehanfuhr bedeuten, sondern mußte 
ebenfalls auf die zugelassene Schlachtungsziffer verrechnet werden, 
was nicht immer genügend gewürdigt worden ist. Immerhin brachte 
sie den Städten sichere Anfuhren und wohlausgemästete Tiere, und 
cö ist zu bedauern, daß der Mangel an Verteilungsfutter bis auf 
weiteres den Abschluß weiterer derartiger Verträge unmöglich macht.
	        
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