50 Kilo Getreide in der Form von Pachtzins an den Grundeigen
tümer. In Amerika ist die Grundrente noch niedrig. Zahlt der
Pächter bei einer Ernte von 50 Kilo Getreide 5 Kilo, d. h. 10 Proz.,
als Pachtzins, so bleiben ihm noch 45 Kilo Getreide übrig. Würde
er bei einer intensiven Wirtschaft 150 Kilo erhalten, so würden die
5 Kilo, die er als Pachtgeld dem Grundbesitzer abgibt, nur
3^/3 Proz. der Ernte ausmachen; er könnte in diesem Falle also
145 Kilo Getreide von einem Morgen haben. Es erhellt hieraus, daß
dem Pächter eine intensivere Wirtschaft vorteilhafter wäre. Da aber
mit dem Übergang zur intensiven Kultur ein Sinken der Arbeits
produktivität verbunden ist, so zieht der Pächter vor, mehr Boden
zu pachten und mehr Pachtgeld zu zahlen, um eine extensive Wirt
schaft zu führen. Wenn die östlichen und südöstlichen Grenz
gebiete Rußlands billiges Getreide produzieren, so nicht deshalb,
weil dort „freie“ Ländereien vorhanden wären. Der ganze Boden
wird ausgebeutet, aber extensiv. Die umfangreichen Wiesen und
Weiden ermöglichen, Vieh und Viehprodukte billig zu verkaufen;
die gewaltigen Weizenfelder, die extensiv bebaut werden, bringen
billiges Getreide, während der „freie“ Boden in England und
Deutschland das nicht zu tun vermag, weil er der unfruchtbarste
ist und die besseren Böden intensiv, mit geringer Arbeitsproduk
tivität, bestellt werden.
Rußland ist ein technisch zurückgebliebenes Land. Doch kann
im Gouvernement Taurien ein Arbeiter 20 Deßjätinen Land be
stellen.*) Nehmen wir an, daß die Durchschnittsernte 40 Pud pro
Deß jätine beträgt, so kann der Arbeiter 800 Pud Getreide liefern,
während in Deutschland, wo eine Deß jätine dreimal soviel liefert,
ein Arbeiter kaum 5 Deß jätinen bestellen wird; die Erhöhung der
Ernteerträge fordert eine Unmenge von lebendiger Arbeit. Ein
weiteres Beispiel. In Ostrußland, im Gouvernement Orenburg,
war der ganze Grund und Boden okkupiert, aber die Grundrente
niedrig, weil bei der dort herrschenden extensiven Kultur das Ge
treide billig war. Als infolge der Durchführung einer Eisenbahn
*) Siehe „Agrarfrage in Rußland“, IV. Autl., St. Petersburg 1908
(russ.), S. 209.