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stimmt das System, die Organisation und die Form der Wirt
schaft, insoweit diese von der Entwicklung der Produktivkräfte
abhängt. Eine ökonomische und soziale Prognose, die sich auf
eine .Untersuchung über den Einfluß dieses Faktors auf die
Volkswirtschaft gründet, kann, im Gegensatz zu den subjek
tiven Wünschen und Hoffnungen, als wissenschaftlich be
trachtet werden.
IV.
Zwar sprechen vom Prinzip der Kraftersparnis fast alle Volks
wirte, doch verwechseln sie es gewöhnlich mit dem Egoismus.
Sogar der bekannte Soziolog M. M. Kowalewsky schreibt:
„Nehmen wir beispielsweise einen von den am festesten stehen
den Grundsätzen, nämlich das Prinzip der Kraftersparnis beim
Erwerb durch Arbeitsteilung und Berufsgliederung. Hätte sich
die wirtschaftliche Tätigkeit zu allen Zeiten und auf allen Kul
turstufen allein durch den Egoismus leiten lassen, so
würde sowohl die Berufsgliederung als auch die Arbeitsteilung
von je her bestehen.“*)
Man könnte Kowalewsky erwidern, daß eine Arbeitsteilung,
wie sie jetzt existiert, in den früheren Perioden eine Arbeitsver
schwendung gewesen wäre. Darauf kommt es aber nicht an. Für
uns genügt es hier zu konstatieren, daß Kowalewsky unter dem
Prinzip der Kraftersparnis den Egoismus versteht, als ob die
altruistische Tätigkeit sich nicht danach richtete! Wird denn ein
Mensch, der aus altruistischen Beweggründen für einen anderen
arbeitet, seine Energie sinnlos zu verschwenden suchen? Das
Prinzip der Kraftersparnis hat überhaupt mit der Ethik gar
nichts zu tun. Es ist ein Prinzip der Zweck- und Planmäßigkeit.
Alle Erwägungen der „ethischen“ Nationalökonomie mit allen
sentimentalen Phrasen über Altruismus usw. basieren auf einem
Mißverständnis dieses Prinzips der Kraftersparnis oder auf einer
Gegenüberstellung von Altruismus und Egoismus.
In der Tat handelt es sich gar nicht darum, ob sich einer
durch den Egoismus oder Altruismus in seiner Wirtschaftstätig-
*) M. M. Kowalewsky, Soziologie, 1910, Bd. I, S. 118.