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sehen Entwicklung im Verhältnis zu Westeuropa weit zurück
geblieben ist, das eine extensive Wirtschaft und eine dünnere Be
völkerung hat.
Ebenso werden bei einer Untersuchung über die Anfänge der
Wirtschaftsentwicklung die Naturverhältnisse häufig außer acht
gelassen. So wird als Beispiel das Wirtschaftsleben der Wilden
aus den tropischen Gegenden angeführt, während doch die Pro
duktionsverhältnisse und die Bedürfnisse des Menschen aus der
gemäßigten Zone, die seine Tätigkeit bestimmt, ganz andere sind.
Diese Tätigkeit entwickelt und organisiert sich in der Richtung
des geringsten Widerstandes, d. h. der Mensch wählt sich eine
«i Beschäftigung, die ihm unter den gegebenen Bedingungen seine
i|.i notwendigsten Bedürfnisse am leichtesten befriedigen kann, und
die ihm die höchste Arbeitsproduktivität verspricht. Der Kampf
des Urmenschen ums Dasein unterscheidet sich von dem eines
Tieres dadurch, daß der Mensch auch Werkzeuge, nicht nur seine
eigenen Organe benutzen kann. Auch gewisse Tiere bedienen sich
gewisser Waffen; sie haben es aber nie dahin gebracht, neue Waf
fen mittels der schon vorhandenen zu schaffen, während die Men
schen schon in der Quartärperiode mit Hilfe von Steinen die so
genannten Coups de poing anfertigten (siehe G. u. A. Mortillier,
„Das prähistorische Leben“, russ. Übers. 1903, S. 107).
ü 11.
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Die Gegenstände, die dem Menschen zur Befriedigung seiner
wichtigsten Bedürfnisse notwendig waren, fand er zuerst in der
Natur fertig vor. Schon mit einem geringen Arbeitsaufwand
konnte er Nahrungspflanzen finden und Tiere fangen. Da aber
solche Pflanzen und Tiere nur in beschränktem Maße vorhanden
waren, so konnte der Mensch nur bei geringer Bevölkerungs
dichte so existieren.
Auf dieser Entwicklungsstufe des Wirtschaftslebens befand
sich der Mensch in der gleichen Abhängigkeit von der Natur, wie
das Tier. Er konnte die Menge seiner Nahrungsgegenstände
nicht vergrößern, und die Zunahme der Bevölkerung mußte