31
entweder zu einer Abwanderung des überflüssigen Teils oder zu
dessen Aussterben führen.
Einige Tiere nehmen zu der Übersiedelung von einem Orte
nach dem zweiten je nach der Jahreszeit Zuflucht. Alle Tiere
aber, sowie auch der Mensch, zerstreuen sich mit ihrer Zunahme
über ein immer größeres Territorium. So wird die Anzahl der
Menschen, die sich auf einer bestimmten Fläche von den Pro
dukten ernähren können, die sie in der Natur fertig vorfinden,
durch die gleichen Bedingungen bestimmt, die auch für die Tiere
maßgebend sind, und zwar durch das, was die Natur ohne jede
rationelle Einwirkung des Menschen liefern kann. Diesem
„Naturgesetze“ unterliegen sowohl die Wilden der Steinzeit als
auch die modernen Jäger Völker, die vervollkommnetere Jagd
werkzeuge gebrauchen. Die verbesserten Werkzeuge können die
Aufnahmefähigkeit des Territoriums nur in begrenztem Maße er
höhen, solange das Wirtschaftssystem unverändert bleibt und
keine neue Arbeit aufgewendet wird.
Die Viehzucht liefert schon eine viel größere Menge von
Nahrungsgegenständen, von Kleidern usw., je nach der Anzahl
der Haustiere, und so steigt dadurch die Aufnahmefähigkeit des
Territoriums. Bei gewissen Natur Verhältnissen (so in schnee
losen Gegenden) kann die Zahl der Haustiere ziemlich be
deutend sein. Aber sogar in den nördlichen Tundren ermöglicht
die Viehzucht (Hirschherden) eine größere Bevölkerungsdichte,
als die Jagd; dennoch tritt auch bei reiner Viehzucht mit der Be
völkerungszunahme bald das Bestreben zur Ausdehnung des
Territoriums hervor. 10 000 Menschen müssen wenigstens eine
Fläche von 200—300 Quadratmeilen inne haben, um eine ge
nügende Anzahl von Vieh erhalten zu können.
Nach einer eranischen Sage tritt Mazda die Herrschaft über
die Welt dem Yima ab. Yima regiert weise und glücklich. Die
Menschen und das Vieh vermehren sich unter seiner Obhut so
sehr, daß er mehrmals die Erde auffordert, sich zu erweitern, da
mit für die Tiere und Menschen Raum werde.*) Aus der Ge-
:) Lamprecht, „Deutsche Geschichte“, 4. Aufl., Bd. I, S.152.