Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

34 
„Es ist leicht ersichtlich,“ sagt E. Friedrich, „welche ge 
waltigen Vorzüge Pflanzenbau, Tierzucht und Fischzucht haben 
vor dem Sammeln von Pflanzen, dem Sammeln von Landtieren, 
das wir Jagd, und dem Sammeln von Meerestieren, das wir 
Fischerei nennen. Beim Pflanzensammeln muß der Mensch die 
Nutzpflanzen dort aufsuchen, wo sie gerade stehen. . . Den be 
weglichen Tieren muß er nachjagen . . .“ usw. 
Dabei wird aber die Bevölkerungsdichte ganz außer acht ge 
lassen, die doch den Menschen erst zwingt, den Boden zu bestellen, 
das Tier zu hüten, Fische zu züchten, Wälder zu pflanzen usw. 
In einer dünn bevölkerten und an Pflanzen, Tieren usw. 
reichen Gegend ist dieser Arbeitsaufwand ganz überflüssig. Auch 
eine kulturell entwickelte Bevölkerung würde unter diesen Ver 
hältnissen sich mit einer „Sammelwirtschaft“ begnügen. Erst 
dort, wo die vorhandene Bevölkerung damit nicht mehr aus- 
kommen kann, sieht sie sich gezwungen, künstlich Pflanzen zu 
bauen, Tiere und Fische zu züchten usw. Dieser Schritt wird 
folglich durch die Not diktiert. 
In seiner Abhandlung über „Die Abstammung der Arier“ 
(russische Übersetzung 1897, S. 151) berichtet Tylor von den 
Jägern des neolithischen Zeitalters, daß sie infolge ihrer Ver 
mehrung zur Viehzucht und zum Ackerbau übergingen. 
Die Einwohner Dänemarks beschäftigten sich nach Ranke 
während des neolithischen Zeitalters mit Jagd und Fischerei, 
während Ackerbau und Viehzucht ihnen unbekannt blieben. 
Cäsar erzählt von den Germanen, daß sie wenig Landwirtschaft 
treiben und ihr ganzes Leben auf der Jagd und mit militärischen 
Übungen verbringen. Pomponius Mela bemerkt, wo er über die 
Kriege eines anderen germanischen Stammes schreibt, daß diese 
nicht durch das Bestreben dieses Stammes hervorgerufen werden 
konnten, sein Ackerfeld auszudehnen, weil er überhaupt keinen 
Ackerbau getrieben hat. Strabon erklärt die Beweglichkeit der 
Germanen dadurch, daß sie weder Ackerbau trieben, noch Schätze 
besaßen.*) 
*) M. Kowalewsky, Die ökonomische Entwicklung Europas, Bd. 1 
russ., S. 345.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.