Die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie im Osten. 19
durch diese Verhältnisse auf das intensivste beeinflußt. Ls ist
also festzustellen, daß die natürliche Lage dieser Gegenden durch
wirtschaftspolitische, speziell aber durch tarifarische Maßnahmen
für den Verkehr auf Eisenbahnen und Wasserstraßen, besonders
durch den klusbau von Wasser- und Schienenstraßen, durch staat
lich Maßnahmen also, wirtschaftlich grundlegend verschoben
werden Kann, so weit die natürlichen Gegebenheiten, wie wir
vorher erörterten, eine Beeinflussung dieser Gegend überhaupt
ermöglichen. Ich verweise speziell auf einen kiufsatz von Max
Bahr, der in der Zeitschrift für Binnenschifffahrt, in der „Ost
deutschen Industrie" 1909 Br. l und als Broschüre veröffentlicht
worden ist „über die Erhaltung der Ostmark für das Deutsch
tum durch die Schaffung durchgehender Wasserstraßen, 1909
1. Ianuar". Bei diesen Darlegungen wird es auch dem Laien
einleuchten, daß es gerade die Tarife der Staatsbahnen und
die geplante Tarifierung für den Verkehr auf den Wasser
straßen sind, die eine allmähliche Beteiligung des Ostens
am mitteldeutschen Wirtschaftsleben heute in den meisten
Fällen ausschließen, ohne daß das an sich nötig wäre.
Die vereinigten Staaten von Amerika liegen für Danzig heute
näher, als Berlin, weil die Tarifmaßnahmen der Staatsbahn
gemessen an den Seefrachten diese Grtsdifferenz größer erscheinen
lassen. Die einfache Multiplikation des Tarifsatzes verhindert
die Verfrachtung ostdeutscher Produkte nach dem Westen und
die Möglichkeit, zu billigen Preisen das dem Osten für eine
Industrialisierung fehlende Rohmaterial dorthin aus dem Westen
zu überführen, wirklich überwinden lassen sich die großen Ent
fernungen zwischen dem Westen und Osten abgesehen von tarifa
rischen Maßnahmen aber ausschließlich durch die Erbauung
eines schiffbaren Wasserweges zwischen Weichsel, Oder, Elbe,
Weser und Rhein mit Tarifen, die dem Osten, einen Austausch
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