Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

43

die  extensive  Wirtschaft  immer  noch  produktiver  bleibt  als  die
intensive.
Danach  läßt  sich  schon  a  priori  sagen,  daß  der  Kampf
der  menschlichen  Gesellschaften  um  den  Boden  gerade  in  den
Perioden  besonders  scharf  war,  wo  die  Bevölkerungszunahme
sie  zwang,  ihr  eigenes  Territorium  auf  Kosten  des  Nachbarn  auszudehnen ­
  oder  zu  einer  intensiveren  Wirtschaftskultur  überzugehen. ­
  Solcher  Perioden  gab  es  mehrere.  Der  besonders  schroffe
Übergang  von  der  Viehzucht  zum  ansässigen  Ackerbau  rief  den
schärfsten  Kampf  hervor.  Der  Kampf  der  Hirtenvölker  untereinander ­
  ging  noch  in  der  vorhistorischen  Periode  vor  sich.  Die
Geschichte  hat  nur  einige  Episoden  des  Kampfes  zwischen
Nomaden  und  Ackerbauern  verzeichnet,  nämlich  den  Überfall  der
ansässigen,  Ackerbau  treibenden  Völker  durch  Nomadenvölker.
Einer  der  größten  Zusammenstöße  dieser  Art  war  die  sogenannte
„große  Völkerwanderung“;  einen  ähnlichen  Charakter  trugen  die
Einbrüche  der  Mongolen  in  Rußland,  der  Nomaden  in  die  alten
asiatischen  Staaten,  die  Übersiedelung  der  Kelten,  der  Germanen ­
  usw.
Während  der  Periode  des  Kornbaues  wird  der  Kampf  einzelner ­
  Gesellschaften  um  das  Land  durch  den  Klassenkampf
innerhalb  dieser  Gesellschaften  kompliziert.  So  wird  der  Übergang ­
  von  wilder  F  eidgras  Wirtschaft  zur  Dreifelderwirtschaft  von
der  Entwicklung  der  Leibeigenschaft  begleitet.  Die  Zerstreuung
der  Bevölkerung  geht  somit  nicht  nur  infolge  des  Bestrebens,
eine  extensive  Kultur  einzuführen,  vor  sich,  sondern  auch  unter
dem  Einflüsse  des  Klassenkampfes  innerhalb  der  Gesellschaft,
der  Okkupation  von  Grund  und  Boden  usw.  Mit  der  Entwicklung
des  Kapitalismus  und  der  mit  ihm  verbundenen  landwirtschaftlichen ­
  Technik  gewinnen  der  Klassenkampf  und  die  Ausbeutung
einer  Klasse  durch  die  andere  eine  immer  größere  Bedeutung.
Die  Tendenz,  sich  zu  zerstreuen,  neue  Gebiete  zu  kolonisieren,
wird  somit  nicht  nur  nicht  abgeschwächt,  sondern  sogar  gestärkt,
obgleich  schon  nicht  mehr  die  absolute,  sondern  nur  die  relative
Übervölkerung  auf  dem  Lande  von  immer  größerer  Bedeutung ­
  wird.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.