Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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Dreifelderwirtschaft  keine  besonderen  neuen  Produktionsmittel.
Dieser  Übergang  ruft  kein  Bedürfnis  nach  neuen  Produktionsmitteln ­
  hervor,  sondern  ist  selbst  eine  Folge  des  Mangels  an
Boden.  Im  15.  Jahrhundert  beginnt  in  Zentralrußland,  in  den
Gebieten  der  Flüsse  Oka  und  Wolga  und  im  Lande  Nowgorod,
wie  die  Grundbücher  beweisen,  die  Dreifelderwirtschaft  sich  zu
verbreiten.*)  Indes  ist  im  16.  Jahrhundert  die  faktisch  schon
herrschende  Hörigkeit  noch  nicht  gesetzlich  anerkannt.**)  Erst
dann,  als  die  Ausdehnung  des  russischen  Staates  in  der  Richtung
nach  Osten  die  Auswanderung  ermöglichte,  suchten  die
Grundbesitzer  die  Bauern  mittels  der  Staatsgewalt ­
  an  die  Scholle  zu  fesseln.  Beachtenswert  ist
dabei,  daß  man  mit  der  Abnahme  der  Bevölkerungsdichte, ­
  infolge  der  Kolonisation  von  neuen  Gegenden,  von
der  Dreifelderwirtschaft  zur  extensiven  Kultur ­
  zurückkehrte.  Diese  Tatsache  beweist  schlagend,  daß
die  extensive  Wirtschaft  produktiver  ist  als  die  intensive,  und  daß
die  Bevölkerung  zu  der  letzteren  nur  unter  dem  Zwang  der  Notwendigkeit, ­
  nur  infolge  des  Mangels  an  freiem  Boden  übergeht.
Die  Wirtschaftshistoriker  erklären  gewöhnlich  die  Umwandlung ­
  der  freien  Ackerbauer  in  Leibeigene  durch  politische
Momente  oder  gar  dadurch,  daß  die  Grundbesitzer  ihre  Interessen
erkannt  kätten.***)  Wir  haben  aber  soeben  gesehen,  daß  die  Hörigkeitsverhältnisse ­
  faktisch  früher  existierten  als  sie  gesetzlich  festgelegt ­
  wurden,  als  ob  die  Bevölkerung  sich  selbst  freiwillig  der
Unterjochung  unterworfen  hätte.  Wir  haben  auch  die  Ursache
schon  kennen  gelernt,  die  diese  Hörigkeitsverhältnisse  hervorrief: ­
  das  Darleihen  von  Produktionsmitteln.  Die
Stellung  der  Schuldner  nähert  sich  damit  der  Lage  der  Sklaven, ­
  und  die  Sklaverei  ihrerseits  wird  überflüssig,  weil  die  Grundbesitzer ­
  die  Arbeit  freier  Leute  mit  größerem  Erfolg  ausbeuten

*)  Roschkow,  Stadt  und  Land  in  der  russischen  Geschichte,
1902,  S.  27.
**)  Wladimirsky  Budanow,  a.  a.  O.,  S.  147.
***)  Siehe  beispielsweise  Inama  Sternegg,  Große  Grundherrschaften
in  Deutschland,  Leipzig  1878,  S.  73—74.
            
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