Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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Altertum  die  Oikenwirtschaft  der  Großgrundbesitzer,  mit  unfreier
Arbeit.  Auf  den  ländlichen  Gütern  der  reichen  Römer  gab  es  unfreie ­
  Müller,  Köche,  Bäcker,  Schmiede,  Zimmerleute,  Ziegelbrenner, ­
  verschiedene  Weber,  Walker,  Schneider;  außerdem  in  deren
städtischen  Häusern:  außer  zahlreicher  Dienerschaft  noch  Färber,
Vergolder,  Zimmerleute,  Weber,  Bäcker,  Walker,  Schneider,
Schuhmacher,  Juweliere,  Goldschmiede,  Maurer,  Tischler,  Dachdecker, ­
  Spiegelmacher,  Zeitungsschreiber  usw.*)  Ebenso  treffen
wir  im  Mittelalter  große  Wirtschaften  an,  wie  beispielsweise  im
Kloster  von  St.  Gallen  des  8.  Jahrhunderts**).
In  einigen  Klöstern  des  12.  Jahrhunderts  gab  es  unter  anderen:
Köche,  Gerber,  Fleischer,  Weber,  Schuhmacher,  Kürschner,  Böttcher, ­
  Maler,  Bäcker  und  Schmiede.  Den  reichen  Großgrundbesitzern ­
  standen  also  verschiedenartige  Handwerker  zu  Diensten
und  sie  konnten  also  alle  ihre  Bedürfnisse  befriedigen.  Sogar  für
qualifizierte  Arbeit  gab  es  unter  den  Hausknechten  spezielle  Handwerker.***) ­
  Allmählich  beginnen  die  Handwerker  mit  der  Zunahme ­
  der  Spezialisierung  ihrer  Arbeit  sich  in  solchen  Punkten
(Städten)  zu  konzentrieren,  wo  sie  gleichzeitig  für  mehrere  Gemeinden ­
  und  Herren  arbeiten  können,  wobei  sie  ihre  Erzeugnisse
gegen  die  Produkte  der  Landwirtschaft  austauschen.  So  entsteht
die  Ray  on  Wirtschaft:  die  umliegenden  Dörfer  und  die  Stadt  sind
jetzt  miteinander  wirtschaftlich  verbunden,  wie  einst  einzelne
Dörfer  oder  Gemeinden.  Ein  großer  Teil  der  Bevölkerung  hat
sich  von  der  Landwirtschaft  losgerissen  und  beschäftigt  sich  entweder ­
  überhaupt  mit  keiner  produktiven  Arbeit  mehr,  oder  nur
mit  Gewerbearbeiten  und  Handel.  Die  Neueinteilung  der  Produktivkräfte ­
  äußert  sich  also  nicht  nur  in  der  Ausscheidung  des
Gewerbes  und  der  Abwanderung  der  Handwerker  nach  den
*)  Ed.  Meyer  hat  meiner  Ansicht  nach  recht,  wenn  er  mit  Rodbertus
im  Gegensatz  zu  Bücher  die  Oikenwirtschaft  nicht  als  isolierte  Naturalwirtschaft ­
  betrachtet.  Die  Griechen  und  Römer  kannten  schon  einen
entwickelten  Warentausch.  Siehe  Ed.  Meyer,  Die  wirtschaftliche  Entwicklung ­
  des  Altertums,  Jena  1895.
**)  Von  Inama-Sternegg,  Grosse  Grundherrschaften  in  Deutschland,
1848,  S.  78.
***)  Ebenda,  S.  79.
            
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