Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

66

nicht  für  die  Befriedigung  der  persönlichen,  sondern  für  die  der
wirtschaftlichen  Bedürfnisse  aufgewendet.  Der  Hirt  hat
nicht  nur  für  seine  Nahrung,  sondern  auch  für  die  seines  Viehes
zu  sorgen.  Mit  anderen  Worten,  um  sich  Nahrungsmittel  zu  verschaffen, ­
  muß  er  zuerst  sein  Vieh  füttern.  Zwar  braucht  er  noch
nicht  selbst  das  Futter  zu  pflanzen;  aber  er  muß  das  Vieh  herantreiben, ­
  hüten  usw.  Kurz,  die  Viehzuchtwirtschaft  weist  eine
andere  Verteilung  der  Produktivkräfte  auf  als  die  Jagdwirtschaft.
Vergleichen  wir  nun  die  Organisation  der  Produktivkräfte  in
der  Viehzucht  und  in  der  Ackerbauwirtschaft,  so  finden  wir,  daß
der  Ackerbauer  noch  mehr  Arbeit  für  die  Befriedigung  der  wirtschaftlichen ­
  Bedürfnisse  aufwendet  als  der  Hirt.  Die  Befriedigung ­
  der  persönlichen  Bedürfnisse  beansprucht  einen  verhältnismäßig ­
  geringen  Teil  der  gesamten  Wirtschaftsarbeit.  Die  wirtschaftlichen ­
  Ausgaben  der  Ackerbaufamilien  machen  44  Proz,
des  Budgets  aus,  während  sich  die  wirtschaftlichen  Ausgaben  bei
den  Kirgisen  auf  25  Proz.  des  Gesamtbudgets  stellen.*)  Die  persönlichen ­
  Bedürfnisse  der  Bauern  sind  viel  mannigfaltiger  als  die
der  Kirgisen.  Dennoch  machen  bei  den  letzteren  die  persönlichen
Bedürfnisse  einen  bedeutenderen  Teil  des  Gesamtbudgets  aus  als
bei  den  Bauern.
Die  angeführten  Angaben  über  die  Haushaltungen  der  Bauern
und  Kirgisen  beziehen  sich  allerdings  auf  die  Geldwirtschaft  der
Hirten  und  Ackerbauer.  Dennoch  können  wir  dieselben  Schlußfolgerungen ­
  auch  in  bezug  auf  deren  Naturalwirtschaft  machen.
Denn  zwischen  diesen  beiden  Wirtschaftsformen  besteht  ein
Unterschied  bloß  darin,  daß  in  der  Naturalwirtschaft  die  Gegenstände ­
  des  persönlichen  wie  des  wirtschaftlichen  Konsums  unmittelbar ­
  in  der  Wirtschaft  gewonnen  werden,  während  in  der
Geldwirtschaft  auch  solche  Produkte  erzeugt  werden  können,  die
gegen  Nahrungs-  oder  Produktionsmittel  ausgetauscht  werden.
*)  F.  Tscherbina,  Die  bäuerlichen  Budgets  russ.,  1900,  S.  146.  Die  von
Tscherbina  angeführten  Budgets  der  Kirgisen  können  nur  als  Illustration ­
  dienen.  Leider  ist  überhaupt  die  Bearbeitung  der  Budgets  der  Privatwirtschaften ­
  sehr  mangelhaft,  obgleich  sie  eine  gewaltige  Bedeutung^
für  die  Volkswirtschaft  haben.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.