Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

dies  unmöglich  geworden  ist,  die  Bevölkerung  veranlassen,  sich
mit  Gewerben  zu  beschäftigen,  um  die  notwendigen  Existenzmittel ­
  zu  erhalten.  Der  Übergang  eines  bedeutenden  Teiles  der
Bevölkerung  zur  Industrie  wird  durch  den  Bodenmangel  hervorgerufen, ­
  der  mit  der  Besitzergreifung  des  Bodens  durch  die
herrschenden  Klassen  geschaffen  und  infolge  der  Bevölkerungszunahme ­
  verschärft  wird.  Der  Bodenmangel  äußert  sich  darin,
daß  bei  den  gegebenen  technischen  und  sozialen  Verhältnissen  eine
Übervölkerung  entsteht,  wobei  die  weiteren  Arbeitsaufwände  des
Bevölkerungszuwachses  auf  derselben  Bodenfläche  so  wenig  produktiv ­
  sind,  daß  dieser  Zuwachs  dadurch  nicht  mehr  seine  Bedürfnisse ­
  decken  kann.
So  führte  die  Bevölkerungszunahme  zur  Entwicklung  der  Gewerbe ­
  und  förderte  den  technischen  Progreß.  Der  unglückliche
Ausdruck  von  Engels  in  dem  Vorwort  zu  seiner  Schrift  „Der  Ursprung ­
  der  Familie,  des  Privateigentums  und  des  Staates“,*)  daß
die  Erzeugung  von  Menschen  eine  ähnliche  Bedeutung  habe,  wie
die  Erzeugung  von  Waren,  hat  bei  den  Gegnern  der  materialistischen ­
  Geschichtsauffassung  viele  Scherze  hervorgerufen.  Die  Bedeutung ­
  der  Bevölkerungsvermehrung  als  Faktor  der  Entwicklung
der  Produktivkräfte  ist  dadurch  aber  gewiß  nicht  vermindert
worden.  Nicht  nur  zur  Zeit  der  Naturalwirtschaft  entwickeln
sich  die  Produktivkräfte  dank  der  Bevölkerungszunahme,  sondern ­
  auch  in  der  kapitalistischen  Gesellschaft.
Kurz  zusammenfassend  wollen  wir  wiederholen:  Die  menschliche ­
  Tätigkeit  kann  sich  nur  bei  gewissen  Bedingungen  äußern.
Die  Naturbedingungen  beeinflussen  die  Arbeitsproduktivität.
Daraus  folgt  aber  durchaus  nicht,  daß  die  Natur  eine  ebensolche
Rolle  spielt,  wie  die  Arbeit.  Wir  haben  auch  gesehen,  daß  die
*)  „Nach  der  materialistischen  Geschichtsauffassung  ist  das  bestimmende ­
  Moment  in  der  Geschichte:  die  Produktion  und  Reproduktion
des  unmittelbaren  Lebens.  Diese  ist  aber  selbst  wieder  doppelter  Art.
Einerseits  die  Erzeugung  von  Lebensmitteln,  von  Gegenständen  der
Nahrung,  Kleidung,  Wohnung  und  den  dazu  erforderlichen  Werkzeugen;
anderseits  die  Erzeugung  von  Menschen  selbst,  die  Fortpflanzung  der
Gattung.“  (Engels,  Der  Ursprung  der  Familie,  des  Privateigentums  und
des  Staates,  Vorwort).
            
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