Full text : Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

Abschn.  57.  Fernverkehr  der  Steuererheber  und  Steuerpächter.  265

kasse.  Theon  und  Genossen  sind  die  Vorsteher  der  Staatskasse.
Man  sieht,  daß  die  Kassenverfügung  des  römischen  Pächters  ebenso
bia-fpaqpn  genannt  wurde,  wie  die  Kassen  Verfügung  des  ptolemäischen
  Pächters  (S.  248).  Wenn  die  Staatskasse  sagt:  „Didymos  hat
bezahlt  gemäß  der  in  seinen  Händen  befindlichen  Kassenverfügung“ ­
  (Ka0’  nv  ëxei  òiaTpaqppv),  so  folgt  daraus,  daß  der  Steuerpächter ­
  seine  Kassenverfügung  nicht  unmittelbar  an  die  Staatskasse, ­
  sondern  an  den  Zahlungspflichtigen  abgab.  Aruch  dadurch
wurde  eine  Veruntreuung  (S.  264)  erschwert.  Dasselbe  Verfahren
trafen  wir  schon  in  ptolemäischer  Zeit  an  (S.  240).
Abschnitt  57.
Fernverkehr  der  Steuererheber  und  Steuerpächter.
Eine  wertvolle  Urkunde  für  den  praktischen  Steuerhebedienst ­
  ist  P.  Teb.  II  391  (99  n.  Chr.).  Es  waren  für  den  Bezirk
des  Dorfes  Tebtynis  im  dritten  Jahre  Trajans  vier  Kopfsteuererheber ­
  liturgisch  bestellt  worden,  übrigens  ein  Beweis,  daß  Tebtynis ­
  ein  ansehnliches  Dorf  war.  Im  ersten  Monate  des  Jahres
mochten  sie  in  irgend  einer  Weise  gemeinsam  arbeiten,  vielleicht ­
  auch  fand  im  ersten  Monate  gewohnheitsmäßig  gar  keine
Hebung  statth  Am  15.  Hathyr  aber  schließen  sie,  mit  rechnerischer ­
  Wirkung  vom  1.  Phaophi  ab,  über  die  Verteilung
der  Geschäfte  untereinander  einen  Vertrag.  Dieser  Vertrag  ist
die  uns  vorliegende  Urkunde:
'HpttKXpç  Km  ’AGnvóòmpoç  koi  "Hpmv  Kai  ZuüiXoç  oí  lecraapoç
  TrpáK(Topeç)  XaoTpacpíaç  Kibpriç  Teßruvemg.  'OpoXo-Toûpev
  éKoucríujç  Kai  avOspériuç  òieipfjcOai  en  ànò
ppvòç  'A0ùp  le,  fí  èffnv  àpíGpnmç  Oaújcpi,  toO  ipíiou  (eiouç)
TpaiavoO  Kaícrapoç  toO  Kupíou  rrpòç  póvov  tò  èveaTÒ[ç]
TpÍTOv  Itoç  AiiTOKpáTopoç  Kaíffapoç  Népoua  TpaiavoO  ZeßaffToö
  FeppaviKoO,  tòv  pèv  ’A0rivóò(mpov)  Kai  'HpaKXfjv
KeKXr|pâ»<T0ai  touç  èv  Tf)  Kiúpr)  KaraTivogevouç  Kai
èíTiKaGripevouç  dvòpeç,  tòv  òè  "Hpujva  Kai  ZuúiXov
Kè  aÙToùç  KeKXripû)cr0ai  iráviaç  toòç  èv  érépeç
KÚjpaiç  KaTayivogévouç  Kai  èuiKa0ppévouç  Kai  <èm
prjTpoTrújXeujç,  èqp’  ib  «òiaTpávpuuffi»  oí  tò  èní-^
  Das  Kassentagebuch  P.  Fay.  153  weist  für  den  Thoth  keine  Steuereingänge ­
  auf.  Vgl.  Archiv  IV  S.  107  Anm.  3.
*  Wilcken  (brieflich).
            
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